%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
%                                                                           %
% Englische Igel-Stellungen mit weißem Lg2                       02.06.1997 %
%                                                                           %
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%

\documentclass [twoside, a5paper] {article}
\usepackage {german, a5chess, multicol}
\pagestyle {myheadings}
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% DRUCKMAKRO
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\begin {document}
\thispagestyle {empty}
\fontsize {24.88} {30pt}
\selectfont
\centerline {Englische Igel-Stellungen}
\centerline {mit {\Chess B}g2}
\fontsize {14.4} {18pt}
\selectfont
\vspace {1cm}
\centerline {Ein Leitfaden für Schwarz}
\vspace {8.5cm}
\centerline {Herausgegeben von Frank Roeberg,}
\centerline {Lehrwart der Hessischen Schachjugend im}
\centerline {Hessischen Schachverband e. V.}
\centerline {Nachdruck von Udo Sprute, auf Anregung von T.~Klink}
\centerline {Lage, den 02.06.1997}
\fontsize {10} {12pt}
\selectfont
\newpage

\thispagestyle {empty}
~
\newpage

\section* {Einleitung}
\markboth {Englische Igel-Stellungen mit {\Fig B}g2}
   {Einleitung}

\begin {multicols} {2}
Der Igel-Aufbau ist ein flexibles Verteidigungssystem, das gegen
vielfältige gegnerische Aufbauten Anwendung finden kann.
Kennzeichnend für den Igel ist auf jeden Fall der Abtausch des
c-Bauern gegen den d-Bauern --- daher sind die Sizilianische
Eröffnung und die Englische Partie ein beliebtes "`Igel-Terrain"'.
Die gewünschte Igel-Grundstellung sieht so aus:
\bigskip

\position
\board {t....tk.}
       {.ldslbbb}
       {bb.bbs..}
       {........}
       {........}
       {........}
       {........}
       {........}
\endposition
\showboard \bigskip

Schwarz hat sich auf drei Reihen "`eingeigelt"' und verfügt über
einige Bauernschwächen. Seine Figuren verfügen ersatzweise aber
auch über gute Verteidigungspositionen. Mittels der Vorstöße
b6--b5 und d6--d5 möchte sich Schwarz später von seinen Schwächen
befreien und zum Konterangriff übergehen.
In der Folge behandeln wir ausschließlich Stellungen mit weißem
Läufer auf g2. Diese entstehen aus der Englischen Eröffnung,
zum Beispiel nach

\newgame
\move c2c4 c7c5
\move g1f3 g8f6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 e7e6
\move d2d4 c5d4

oder

\newgame
\move c2c4 g8f6
\move b1c3 e7e6
\move g1f3 c7c5
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move d2d4 c5d4

beziehungsweise weiteren Zugumstellungen.
\bigskip

Das Material gliedert sich wie folgt:
\begin {enumerate}
\item Eingliederung des Igel-Systems ins Eröffnungsrepertoire
\item Probleme bei der Errichtung einer Igel-Stellung
\item Darstellung der beiderseitigen Pläne anhand von
   typischen Stellungen oder Modellpartien
\end {enumerate}
\end {multicols}
\vfill

\section {Eingliederung ins Eröffnungsrepertoire}
\markboth {Englische Igel-Stellungen mit {\Fig B}g2}
   {Eingliederung ins Eröffnungsrepertoire}

\begin {multicols} {2}
Der Igel eignet sich hauptsächlich für Schwarzspieler,
die|1. d4| mit Nimzo- beziehungsweise Damenindisch begegnen wollen,
weniger jedoch für Anhänger von Königs- oder Grünfeld-Indisch.
Erstere Gruppe kann zum Beispiel|1. c4 Sf6 2. Sc3| mit|2. ... e6|
beantworten, ohne|3. d4| befürchten zu müssen.
Dies gilt auch für die Freunde des Modernen Benoni. Auf folgende
Eröffnungszugfolgen sollte der Igel-Spieler ebenfalls eine Variante
parat haben:
\begin {itemize}
\item [] |1. c4 Sf6 2. Sc3 e6 3. e4 c5 4. e5 Sg8| oder|3. ... d5 4. e5|
\item [] |1. c4 c5 2. g3| (b6 wird verhindert.)
\item [] |1. Sf3 Sf6 2. c4 c5 3. d4 c*d4 4. S*d4| (b6 ist zwar möglich,
   führt nach f3 und e4 aber zu einem Igel-Stellungstyp,
   der hier nicht behandelt wird.)
\item [] |1. Sf3 Sf6 2. c4 c5 3. Sc3 e6 4. d4 c*d4 5. S*d4|
   (Mit der Absicht|5. ... b6 6. e4|.
   ---|5. ... Sc6| ist aber eine gute Alternative für Schwarz.)
\end {itemize}
Darüber hinaus könnte es von Nutzen sein, wenn man|1. e4| mit
Sizilianisch beantwortet. Im Paulsen- oder Scheveninger System
lassen sich häufig Igel-Ideen anwenden. Der Hauptunterschied
zum Englischen Igel-Stellungstyp besteht dann in der aggressiven
Postierung des weißen Königsläufers, wodurch sich die weißen
Aktionen häufiger gegen den Königsflügel richten. Ein verwandter
Stellungstyp entsteht durch die Zugfolge|1. Sf3 Sf6 2. c4 c5
3. Sc3 b6 4. e4 d6 5. d4 c*d4 6. S*d4 Lb7| und so weiter.
Wer sich unsicher ist, welche Zugfolge er auf|1. Sf3| oder|1. c4|
wählen sollte, um eine Igel-Stellung zu erreichen, dem sei empfohlen,
sich das Eröffnungsrepertoire bekannter "`Igel-Interpreten"', wie
zum Beispiel Andersson, Ljubojevic, Ftacnik, Suba, Adorjan,
Wojtkiewicz oder Ribli im Informator oder sonstigen Datenbanken
anzuschauen. Auf keinen Fall sollte man versuchen, den Igel-Aufbau
um jeden Preis zu errichten. Als abschreckendes Beispiel mag folgende
Partie dienen:
\bigskip

\centerline {\textbf {Seirawan -- Ftacnik (1987)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 c7c5
\move g2g3 g8f6
\move f1g2 e7e6
\move g1f3 b7b6~?
\move f3e5 d7d5
\move c4d5 f6d5
\move b1c3 c8b7
\move d1a4+ b8d7
\move c3d5 b7d5
\move g2d5 e6d5
\move a4c6 f8e7
\move e5d7 a8c8
\move d7f6+ e8f8
\move f6d7+ f8e8
\move d7f6+ e8f8
\move c6d5 e7f6
\move d5d8+ c8d8
Und es gelang Weiß, den Mehrbauern zu verwerten (1:0, 48).
\end {multicols}
\vfill

\section {Errichtung der Igelstellung}
\markboth {Englische Igel-Stellungen mit {\Fig B}g2}
   {Errichtung der Igelstellung}

\begin {multicols} {2}
Bei den folgenden Betrachtungen gehen wir von nebenstehender
Diagrammstellung aus, die zum Beispiel nach
\bigskip

\newgame
\move c2c4 c7c5
\move g1f3 g8f6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move b1c3 e7e6
\ply e1g1
\bigskip \showboard \bigskip
\bigskip

entstehen kann.
Weiß wird in aller Regel mit d2--d4 fortsetzen, worauf Schwarz
mit|c*d4| antwortet. Andere Pläne, wie zum Beispiel|7. e3|
nebst|8. d4|, worauf der Nachziehende ebenfalls mit|c*d4|
nebst gelegentlichem d5 antwortet, oder|7. b3| \withidea{} d3,e4
stellen den schwarzen Aufbau kaum in Frage.
Interessant ist|7. Te1| mit der Absicht e2--e4. Weiß wird dann aber
später trotzdem noch d4 spielen. --- Beispiele dieser Art werden
wir noch kennen lernen.

Zurück zur Diagrammstellung: Schwarz fehlen noch die Züge|Le7, a6,
d6, Sd7, 0-0 und Dc7|, (abgesehen von|c*d4|,) um seinen Aufbau zu
komplettieren. In welcher Reihenfolge soll er sie ausführen?

Weniger stark wäre zum Beispiel|6. ... a6| wegen|7. d4 c*d4
8. D*d4 d6 9. Le3 Sbd7 10. Sg5 \withidea{} Se4|, wonach die Schwächen
b6 und d6 ins Gewicht fallen. Versuchen wir also, zunächst mit|Le7|
und|d6| fortzufahren. Nach zum Beispiel
\bigskip

\ply f8e7
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\medskip

entsteht eine wichtige Grundstellung für unsere weiteren Analysen:
\bigskip

\showboard \bigskip

Weiß kann nun mit|9. b3, 9. Td1 oder 9. Lg5| fortsetzen.
In jedem Falle sollte Schwarz mit|9. ... a6| antworten.
Typische Fehler sind folgenden Partien zu entnehmen:
\bigskip

\centerline {\textbf {Alburt -- Tarjan (1981)}}
\smallskip
\newgame \position
\board {ts.dk..t}
       {bl..lbbb}
       {.b.bbs..}
       {........}
       {..BD....}
       {..S..SB.}
       {BB..BBLB}
       {T.L..TK.}
\endposition
\movecount=8

\move f1d1 e8g8~?!
\move c3b5 b8c6
\move d4d3 d8b8
\move b2b3 f8d8
\move c1b2 a7a6
\ply b5d4
   Weiß ist durch den Angriff auf d6 zu einer günstigen
   Figurenumgruppierung gekommen. Außerdem steht der|Sc6| nicht
   systemgerecht auf d7.
\ply a8a7
\move d3e3 h7h6
\move g2h3 b7a8
\ply d4e6
   Weiß nutzt die mangelnde Koordination sowie den
   schwächenden Zug|15. ... h6| zu einem Opferangriff.
\ply f7e6
\move e3e6+ g8f8
\move f3h4 c6e5
\move b2e5 d6e5
\move h4g6+ f8e8
\move g6e5 d8d6
\move e6f7+ e8d8
\move f7g7 f6e8
\move g7h6 d8c7
\move d1d6 e8d6
\move h6e6 b8e8
\move a1d1 d6c8
\move d1d7+ c7b8
\move d7a7 c8a7
\ply e5d7+~1:0
\bigskip

\centerline {\textbf {Kortschnoi -- Hjartarson (1988)}}
\smallskip
\newgame \position
\board {ts.dk..t}
       {bl..lbbb}
       {.b.bbs..}
       {........}
       {..BD....}
       {..S..SB.}
       {BB..BBLB}
       {T.L..TK.}
\endposition
\movecount=8

\move b2b3 b8d7~?!
   Nach b3 muss Schwarz immer mit|La3| rechnen,
   und es wäre ideal, diesem Zug mit|Sc5| begegnen zu können.
   Nach|9. ... a6 10. La3 0-0 11. Td1 Se8| besitzt Weiß leichten
   Vorteil. Interessant ist|9. ... 0-0 \withidea{} 10. La3 Sa6
   11. Td1 Sc5 12. Sb5 Sfe4|.
   Was spielt Schwarz aber auf|10. Td1| ?|10. ... a6 11. La3,
   10. ... Sa6 11. Sb5 oder 11. Lb2 sowie 10. ... Sbd7 11. Sb5|
   bieten keine Verbesserung.
   Die ganze Variante bleibt ein Problem für Schwarz.
\move c3b5 d7c5
\move f1d1 d6d5
   Schwarz erhält einen Isolani.
\move c4d5 e6d5
\move g2h3 e8g8
\move c1b2 a7a6
\move b5c3 f8e8
\move a1c1 c5e6
\move h3e6 f7e6
\move c3a4 b6b5
\move a4c5 b7c8
\move f3e5 e7f8
\move c1c2 a6a5
\move d1c1 d8b6
\move d4f4 f8e7
\move b2d4 b6d6
\move c5d3 e8f8
\ply d4c5~1:0
\bigskip
\vfill

\centerline {\textbf {Kortschnoi -- Greenfeld (1990)}}
\smallskip
\newgame \position
\board {ts.dk..t}
       {bl..lbbb}
       {.b.bbs..}
       {........}
       {..BD....}
       {..S..SB.}
       {BB..BBLB}
       {T.L..TK.}
\endposition
\movecount=8

\move b2b3 b8d7
\move c3b5 d7c5
\smallskip
   |10. ... d5 11. c*d5 L*d5 12. Df4 0-0
   13. Lb2 a6 14. Sc3| ist etwas besser für Weiß. Zu dem
   herkömmlichen Raumvorteil gesellt sich der Umstand, dass sich
   die schwarze Dame bei of\/fener c+d-Linie nicht wohlfühlt.
   Nicht angängig ist in dieser Variante|11. ... S*d5 12. D*g7 Lf6
   13. Sd6+ Ke7 14. D*f7+ K*d6 15. La3+|.
\smallskip
\move f1d1 f6e4
\smallskip
   |11. ... d5 12. c*d5 S*d5 13. e4 oder 12. ... L*d5 13. Df4|
   mit leichtem Vorteil.
\bigskip
\bigskip
\bigskip

\move d4g7 e7f6
\move g7h6 f6a1
\move f3g5~! a1e5
\smallskip
   14.|... S*g5 15. L*g5 f6 16. Dg7
   \withidea{} D*h8,L*f6,Sc7+,T*a1 \wdecisive; \\
   14. ... Lf6 15. S*e4 L*e4|
   ---|15. ... S*e4 16. L*e4 L*e4 17. S*d6+ Ke7 18. La3!| ---|16. S*d6+
   Ke7 17. Lg5 L*g5 18. D*g5+ Kf8 19. Df4 Lg6
   20. L*a8 D*a8 21. b4 Sa6 22. Df6 Tg8 23. Sb5 Ke8
   24. c5 \wdecisive; \\
   14. ... Df6 15. S*e4 S*e4 16. L*e4 0-0-0 \wupperhand|
\smallskip
\ply b3b4
\smallskip
   Stärker war|15. S*e4|, zum Beispiel|S*e4 16. L*e4 L*e4 17. f4 Df6|
   ---|17. ... Lf6 18. S*d6+ Ke7 19. La3 \wdecisive{} oder
   17. ... a6 18. f*e5 a*b5 19. Dg7 Tf8 20. Lh6 De7 21. e*d6 oder
   17. ... Lc2 18. f*e5 L*d1 19. Lg5 Db8 20. Df6 Kd7 21. De7+ Kc6
   22. b4! d*e5 23. Sd4+ e*d4 24. b5 \mate{}| ---|18. f*e5 D*h6
   19. S*d6+ Ke7 20. L*h6 Lg6 21. Lg5+ Kf8
   22. Lf6 \wdecisive{} oder 15. S*e4 L*e4 16. Lg5! f6 17. f4 f*g5
   18. f*e5| mit entscheidendem Angriff.
\smallskip
\ply d8f6
\move h6f6 e4f6
\move f2f4 b7g2
\move f4e5 d6e5
\move b4c5 g2c6
\move b5c7+ e8f8~?
   \betteris{}|Ke7|
\move c7a8 c6a8
\smallskip
   Und 1:0 im 37. Zug.
\bigskip

Mit|9. Lg5 a6 10. L*f6 L*f6 11. Df4| kann Weiß die schwarzen
Möglichkeiten ebenfalls etwas einschränken. Dazu zwei Beispiele
aus der Turnierpraxis:
\bigskip

\centerline {\textbf {Kasparow -- Karpow (1981)}}
\smallskip
\newgame \position
\board {ts.dk..t}
       {bl..lbbb}
       {.b.bbs..}
       {........}
       {..BD....}
       {..S..SB.}
       {BB..BBLB}
       {T.L..TK.}
\endposition
\movecount=8

\move c1g5 a7a6
\move g5f6 e7f6
\move d4f4 e8g8
\move f1d1 f6e7
\move c3e4 b7e4
\move f4e4 a8a7
\move f3d4 d8c8
\move b2b3 f8e8
\move a2a4 c8c5
\move a1a2 e7f6
\move a2d2 a7c7
\move e4b1 f6e7
\move b3b4 c5h5
   Und nun hätte|22. b5! a5 23. Sc6 Lf8| dem Weißen etwas
   Vorteil gelassen (remis, 41).
\bigskip

\centerline {\textbf {Andersson -- Portisch (1989/90)}}
\smallskip
\newgame \position
\board {ts.dk..t}
       {bl..lbbb}
       {.b.bbs..}
       {........}
       {..BD....}
       {..S..SB.}
       {BB..BBLB}
       {T.L..TK.}
\endposition
\movecount=8

\move c1g5 a7a6
\move g5f6 e7f6
\move d4f4 b7f3
   Portischs Lieblingszug
\move f4f3 a8a7
\move f1d1 e8g8
\move a1c1 a7d7
\move f3e3 d8c7
\move c3a4 d7d8
\move e3b6 c7b6
\move a4b6 f6b2
\move c1b1 b2e5
\move e2e3 g7g5
\move d1d3 g5g4
\ply d3a3
   Mit leichtem Weißvorteil.
\bigskip

Wem die Varianten nach|9. b3| beziehungsweise|9. Lg5 a6 10. L*f6|
nicht schmecken, der sollte sich überlegen, ob er die Entwicklung
des|Lf8| nicht zurückhält, zum Beispiel:
\begin {itemize}
\item [] |6. ... d6 7. d4 c*d4 8. D*d4 a6!? 9. Lg5 Sbd7 (9. Le3)|
\item [] |6. ... d6 7. d4 c*d4 8. D*d4 Sbd7 9. Lg5 a6 (9. Sb5)|
\item [] |6. ... d6 7. d4 c*d4 8. D*d4 Sbd7 9. b3 a6 10. La3 Sc5|
\end {itemize}

Analyseaufgaben:
\begin {enumerate}
\item Untersuche die drei obigen Varianten auf ihre Tauglichkeit.
   Entscheide, ob die Zugfolge|6. ... d6| nebst|a6| oder|Sbd7|
   vor|Le7| dem Schwarzen mehr Sicherheit bietet als|6. ... Le7|.
\item Wie wirkt sich der Zug d7--d6 aus, wenn Weiß mit e3 und d4
   fortsetzt?
\end {enumerate}
\end {multicols}
\newpage

\section {Beiderseitige Pläne}
\markboth {Englische Igel-Stellungen mit {\Fig B}g2}
   {Beiderseitige Pläne}

\begin {multicols} {2}
\begin {itemize}
\item [a)] Weiße Vorgehensweisen
   \begin {itemize}
   \item [1.] Weiß versucht, d6 zu erobern.
   \item [2.] Weiß setzt e4--e5 durch und sucht den Übergang
      in ein vorteilhaftes Endspiel.
   \item [3.] Weiß spielt auf dem Damenflügel
      (zum Beispiel gegen b6).
   \item [4.] Weiß spielt am Königsflügel.
   \item [5.] Weiß spielt auf völlige Raumkontrolle und
      wartet auf weitere Schwächungen.
   \end {itemize}
\item [b)] Schwarze Vorgehensweisen
   \begin {itemize}
   \item [1.] Schwarz setzt den Vorstoß b6--b5 oder d6--d5
      (beziehungsweise beides zusammen) durch.
   \item [2.] Schwarz kontert mit e6--e5 im Zentrum.
   \item [3.] Schwarz drückt auf die Schwächen e4 oder c4.
   \item [4.] Schwarz spielt am Königsflügel.
   \end {itemize}
\end {itemize}

Wir wollen die unterschiedlichen Pläne beider Seiten nun anhand
von einigen Beispielen ausleuchten. Die weißen Möglichkeiten
sind etwas vielfältiger, was auf den Raumvorteil zurückzuführen ist.
Generell geht es aber fast immer darum, ob Schwarz zu den befreienden
Vorstößen b6--b5 und/oder d6--d5 kommt, beziehungsweise, unter welchen
Umständen dies geschieht.
\end {multicols}
\vfill

\subsection* {a1) Weiß versucht, d6 zu erobern.}
\begin {multicols} {2}

\centerline {\textbf {Olafsson -- Gurevich M. (1988)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 c7c5
\move g1f3 g8f6
\move b1c3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 d7d6
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 a7a6
\move b2b3 b8d7
\move f3g5 b7g2
\move g1g2 f8e7
\move g5e4 d8c7
\move f1d1 e8g8
\bigskip \showboard \bigskip
   Nach|14. S*d6 Tfd8! 15. Lf4 e5 oder 16. Sde4 Sc5|
   gewinnt der Nachziehende. Der weiße Überfall wurde somit
   zurückgeschlagen, und Schwarz profitiert in der Folge
   vom Abtausch der weißfeldrigen Läufer, da seine Dame nun bessere
   Felder --- c6 und b7 --- zur Unterstützung von b6--b5 innehat.
\move c1g5 c7c6
   Oder|14. ... h6 15. S*f6 S*f6 16. Le3 b5 \bbetter{}|
   in Lev -- Wahls, Bern 1990.
\move f2f3 f8d8
\move e4f6+ e7f6
\move g5f6 d7f6
\move a1c1 a8c8
\move c3a4 b6b5
\move c4b5 c6b5
\move g2f2 h7h6
\move h2h4 f6d5
\move a4c3 d5c3
\move c1c3 b5a5
\move d1c1 c8c3
\move d4c3 a5b6+
\move e2e3 d8b8
   Diese Stellung sollte wohl ausgeglichen sein. Wie so
   häufig unterschätzte Weiß aber die Schwäche seiner 1.+2.
   Reihe und verlor noch \dots
\move c3c7 b6b4
\move c1d1 d6d5
\move d1d4 b4f8
\move d4d2 b8c8
\move c7a5 f8d6
\move e3e4~? c8c1
\move f2g2 d6e5
\move a5a6 e5a1
\move e4d5 c1h1
\move f3f4 a1e1
\move a6e2 h1g1+
\move g2f3 e1g3+
\move f3e4 g1e1~0:1
\bigskip

Eine solidere Methode, gegen d6 zu drücken, ist der Aufbau|9. Td1,
10. Lg5 nebst Dd2 und Lf4|. Hierzu folgen zwei Beispiele:
\bigskip
\vfill

\centerline {\textbf {Stangl -- Gheorghiu (1987)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 c7c5
\move g1f3 g8f6
\move b1c3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 a7a6
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move f1d1 f8e7
\move c1g5 b8d7
\move d4d2 a8c8
\bigskip

   Schwarz versucht sich mit einem Gegenangriff auf c4.|11. 0-0|
   nebst|Se8|, wie in der folgenden Partie, wäre jedoch deutlich
   solider gewesen.
\move g5f4 b7f3
   Mit einem ungedeckten Läufer b7 kann man natürlich schlecht
   auf c4 nehmen.
\move e2f3~! d8c7
   e5 ist natürlich nicht wünschenswert, zumal|T*c4| wegen|Lf1|
   danach nicht einmal einen Bauern gewinnt.
\move f4d6 e7d6
\move d2d6 c7d6
\move d1d6 c8c4
\move g2f1 c4b4
\move a1b1 e8e7
\move d6d1 b6b5
   Materiellen Nachteil hat Schwarz vorerst vermieden,
   doch sein Turm steckt in Schwierigkeiten.
\move b2b3 d7e5
\move f3f4 e5f3+
\move g1g2 f3d4
\move d1d3 h8d8
\move b1d1 d8d7
\move c3e2 d4e2
\move f1e2 d7d3
\move d1d3 f6d7
\move a2a3 b4e4
\move g2f1 e6e5
\move e2f3 e4d4
\move d3d4 e5d4
\move f1e2 a6a5
\move b3b4 a5b4
\move a3b4 d7b8
\move f3b7 e7d6
\move e2d3 d6c7
\move b7e4 b8a6
\move e4h7 a6b4+
\move d3d4 c7d6
\move h7e4 b4a6
\move e4d3 a6c7
\move f4f5 f7f6
\move f2f4 d6c6
\move h2h4 c6d6
\move d3e2 d6c6
\move h4h5 c6d6
\move e2d3 b5b4
\move d3c4 c7e8
\move g3g4 d6e7
\move d4c5 e8d6
\move c4d3 b4b3
\move c5b4 b3b2
\move b4b3 d6f7
\move b3b2 f7h6
\move d3e2 e7d6
\move b2c3 d6c5
\move e2f3 h6f7
\move f3e4 f7h6
\move e4f3 h6f7
\move c3d3 f7h6
\move d3e3 c5c4
\move f3d1 h6f7
\move d1a4 f7h6
\move e3f3 h6f7
\move a4d7 c4d4
\move d7e6 f7d6
\move g4g5 f6g5
\move f5f6 g7f6
\ply h5h6~1:0
\bigskip

Der aktive Plan|11. ... Tc8| hat Schwarz letztendlich nur einen
Bauern und damit die Partie gekostet.
\bigskip

\centerline {\textbf {Bönsch U. -- Ftacnik (1988)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 g8f6
\move b1c3 c7c5
\move g1f3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 f8e7
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move f1d1 a7a6
\move c1g5 b8d7
\move d4d2 e8g8
\move g5f4 f6e8
   Der Springer nimmt nur zeitweise eine passive Stellung ein.
\move a1c1 d8c7
\move e2e4 a8d8
\move d2e2 e8f6
\move f3d2 f8e8
\move h2h3 c7b8
\move b2b4 b8a8
\move d2b3 d6d5~!?
\bigskip \showboard \bigskip
   Schwarz hat den Druck von d6 abgeschüttelt und den befreienden
   Vorstoß d6--d5 ausführen können. Auf diese Stellung kommen wir
   später noch einmal zurück.
\bigskip

Nachstehende Diagrammstellung entstand in der Partie \textbf
{Kortschnoi -- {\mbox Adorjan} (1986)}. Die Folgen von|14. S*d6|
wurden ausgiebig von Andr\'as Adorjan untersucht.
\bigskip

\newgame \position
\board {t....tk.}
       {..dslbbb}
       {bb.bbs..}
       {......L.}
       {..BDS...}
       {..S...B.}
       {BB..BBKB}
       {T..T....}
\endposition
\movecount=13
\showboard \bigskip

Analyseaufgabe: Untersuche die beiderseitigen Möglichkeiten
nach|14. S*d6 Tfd8| und|14. ... Tad8|. Welcher Turmzug ist besser?
Lösung:
\bigskip

Auf|14. ... Tfd8| folgt:
\begin {itemize}
\item [] |15. Lf4? e5 16. Sf5 Lc5 \bdecisive{}|
\item [] |15. Sde4 Se5 16. De3 S*c4 17. T*d8+ T*d8 18. Dc1 S*e4
   19. L*e7 D*e7 20. S*e4 Td4 \withidea{} 21. f3? Td1!|
\item [] |15. b4 (\withidea{} c5) a5 16. b*a5 Sc5 17. Scb5 Dc6+
   18. f3 T*a5 19. e4! T*b5 20. c*b5 D*d6 21. D*d6 T*d6 22. e5 T*d1
   23. T*d1 Sd5 24. L*e7 Se3+ 25. Kg1 S*d1 26. L*c5 \wdecisive{}|
\end {itemize}
Auf|14. ... Tad8!| folgt:
\begin {itemize}
\item [] |15. Sde4 Se5 16. De3 S*c4 17. Dc1 T*d1 18. S*d1 S*e4
   19. L*e7 Tc8! \bupperhand{}|
\item [] |15. b4 Sb8! 16. c5 Sc6 17. Df4 S*b4 18. D*b4 
   (18. Sce4 Sbd5 \bupperhand{}| Bei|14. ... Tfd8| wäre hier
   wohl|19. T*d5 e*d5 20. L*f6 L*f6 21. S*f6+ g*f6 22. D*f6
   \withidea{} Sf5 möglich.)
   18. ... b*c5 19. Db7 L*d6 20. D*a6 Le5 21. Sb5 Db8 22. Tac1 T*d1
   23. T*d1 Sd5|
\end {itemize}
\end {multicols}
\vfill

\subsection* {a2) Weiß spielt e4--e5 mit Übergang ins Endspiel.}
\begin {multicols} {2}

\centerline {\textbf {Ftacnik -- Ambroz (1981)}}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move c2c4 b7b6
\move g2g3 c8b7
\move f1g2 c7c5
\move b1c3 e7e6
\move e1g1 f8e7
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move f1d1 a7a6
\move b2b3 b8d7
\move e2e4 e8g8
   Schwarz kann hier auch mit|Dc7, Db8 oder Dc8| fortsetzen.
   Letztgenannter Damenzug verhindert sogar das Manöver|12. La3 Sc5
   13. e5 d*e5 14. D*e5 wegen Scd7! \bdecisive{}|.
\move c1a3 d7c5
\move e4e5 d6e5
\move d4d8 f8d8
\move f3e5 b7g2
\move g1g2 e7f8
   Die Drohung|Sc6| bereitet Kopfzerbrechen:|16. ... Tac8
   17. T*d8 L*d8 18. Td1 oder
   16. ... T*d1 17. T*d1 Td8 18. T*d8! L*d8 19. Sc6 oder
   16. ... Tdc8 17. Sa4! Tab8 18. L*c5 L*c5! 19. S*c5 T*c5 20. f4 b5|
   sieht immer Weiß im Vorteil.
\move a3c5 b6c5
\move c3a4 d8d6
\move g2f3 h7h5
\move h2h3 a8a7
\move g3g4 a7c7
\move f3e3 f8e7
\move f2f4 h5g4
\move h3g4 f6e8
\move a4c3 g7g5
\move c3e4 g5f4+
\move e3f4 d6d4
\move e5f3 d4d1
\move a1d1 g8g7
\move g4g5 a6a5
\move f3e5 f7f5
   Es drohte|Td7|.
\move g5f6+ e8f6
\move d1g1+ g7f8
\move e5g6+ f8f7
\move g6e5+ f7e8
\move e4f6+ e7f6
\move g1g8+ e8e7
\move g8a8 f6g7
\move a8a5 g7h6+
\move f4e4 h6g7
\move a5a6 g7h6
\ply a6c6~1:0
\bigskip

In der folgenden Partie wählte Schwarz|11. ... Dc7| (statt|0-0|):
\bigskip

\centerline {\textbf {Gutman -- de Firmian (1981)}}
\smallskip
\newgame \position
\board {t...k..t}
       {.ldslbbb}
       {bb.bbs..}
       {........}
       {..BDB...}
       {.BS..SB.}
       {B....BLB}
       {T.LT..K.}
\endposition
\movecount=11

\move c1a3 d7c5
\move e4e5 d6e5
\move d4e5 a8c8
\move e5c7 c8c7
\ply a3c1~(\withidea{}~{\Fig{B}}--f4--d6)
\ply f6e4
\move c3e4 b7e4
\move c1f4 c7c8
\ply f4d6
\bigskip \showboard \bigskip
\ply c8c6~?
\move d6e7 e8e7
\move b3b4~! c5a4
   Auf|21. ... Sd7| folgt|22. T*d7|.
\move f3e5 e4g2
\move d1d7+ e7e8
   |23. ... Kf6 24. f4! Tf8 25. K*g2|
\move a1d1 c6c8
\move g1g2 f7f6
\move e5c6 c8c6
\move d7d8+ e8f7
\move d1d7+ f7g6
\move d8h8 c6c4
\move h8g8 c4b4
\move d7g7+ g6f5
\move g7h7 e6e5
\ply h7h4~1:0
\bigskip

Ausgehend von der letzten Diagrammstellung fand GM Ljubojevic
jedoch eine Verbesserung für Schwarz:
\bigskip

\centerline {\textbf {Gutman -- Ljubojevic (1985)}}
\smallskip
\newgame \position
\board {..t.k..t}
       {....lbbb}
       {bb.Lb...}
       {..s.....}
       {..B.l...}
       {.B...SB.}
       {B....BLB}
       {T..T..K.}
\endposition
\movecount=19
\global\Whitefalse

\ply c5d3~!
\move d6e7 e8e7
\move f3d4 e4g2
\move g1g2 d3e5
\move d1d2 h8d8
\move a1d1 e7e8
\move g2f1 e5c6
\move f1e2 c6d4+
\move d2d4 d8d4
\move d1d4 e8e7
\move e2d3 g7g5~!
Und Schwarz hielt das Gleichgewicht im Turmendspiel.
\end {multicols}
\vfill

\subsection* {a3) Weiß greift am Damenflügel an (Überfall auf b6).}
\begin {multicols} {2}

\centerline {\textbf {Miles -- Kindermann (1989)}}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move b1c3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 a7a6
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move c1g5 b8d7
\move a1d1~!? f8e7
\move g5f6 d7f6
\ply c3a4
\bigskip \showboard \bigskip
   Auf den Deckungszug|12. ... Tb8| folgt nun|13. c5! \withidea{}
   13. ... b*c5? 14. S*c5! d*c5 15. Da4+ Sd7 16. Se5 \wdecisive{}|;
   nach|13. ... d*c5 14. De5 Ld5 15. e4 S*e4| ---|15. ... Ld6?
   16. T*d5! S*d5 17. D*g7 Df6 18. D*f6 S*f6 19. e5| ---|16. D*g7
   Lf6 17. Dh6 \compensation{}|. Mit dem f-Turm auf d1 behielt Miles
   in einer Partie mit Wojtkiewicz (1989) nach|17. ... b5 18. Se1 b*a4
   19. L*e4 Ld4 20. L*d5 D*d5 21. Sc2 Df5 22. S*d4 c*d4 23. Dg7 Ke7
   24. D*d4| die bessere Stellung.
\ply b6b5~!
   Nach|13. c*b5 a*b5 14. Sc3 0-0 \withidea{} Db8,Tc8| wird der Turm
   auf a1 doch vermisst.
\move a4b6 e6e5
   |13. ... Tb8| war kritisch wegen|14. c5! \withidea{} d*c5
   15. De5 Ld5 16. S*d5 e*d5 17. Sh4 0-0 18. Sf5 Te8 19. T*d5!|.
\move f3e5~\whitebox{} b7g2
\move g1g2 d6e5
\move d4e3 d8b8
\move b6a8 b8a8+
\move g2g1 e5e4
   Und Schwarz besaß bereits leichten Vorteil (0:1, 46).
\end {multicols}
\vfill

\subsection* {a4) Weiß greift am Königsflügel an.}
\begin {multicols} {2}

Mit dem Läufer auf g2 greift Weiß eher selten zum Königsangriff.
Am ehesten kommt dafür noch die Variante|7. Te1| nebst e2--e4
in Frage. Ansonsten erfordert ein aggressiver Bauernaufmarsch
am Königsflügel langwierige und umsichtige Vorbereitung von Weiß.
Im "`Hau-Ruck-Verfahren"' ist dem Igel nicht beizukommen.
Das gilt selbst für einen Angriffskünstler wie M.~Tal:
\bigskip

\centerline {\textbf {Tal -- Short (1985)}}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move c2c4 b7b6
\move g2g3 c7c5
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 e7e6
\move b1c3 a7a6
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move c1g5 f8e7
\move g5f6 e7f6
\move d4d3 a8a7
\move a1d1 f6e7
\move f3d4 b7g2
\move g1g2 d8c8
\move f2f4 g7g6
\ply f4f5~!?
   Tal reißt die Mitte auf, ehe Schwarz zur Rochade kommt.
\ply g6f5
\move e2e4 f5e4
\move c3e4 f7f5
\ply e4g5
   Gegen Gawrikow setzte Tal im gleichen Jahr mit|19. Sc3 Sc6
   20. De2 S*d4 21. Dh5+ Kd7 22. T*d4 Dc5 23. Tfd1 Tc7| fort,
   erreichte aber nur Ausgleich.
\ply e7g5
\move d4e6 c8e6
\move d1e1 e6e1
\move f1e1+ a7e7
\move d3d4 h8g8
\move e1e7+ e8e7
\move d4b6 b8d7
\move b6a6 g8b8
\move b2b3 g5e3
\move a6c6 d7e5
\move c6c7+ e5d7
\move c7c6 d7e5~remis
\bigskip

Dass ein Angriff auf den unrochierten "`Igelkönig"' sehr gefährlich
sein kann, zeigt die folgende Partie:
\bigskip

\centerline {\textbf {Kasparow -- Salow (1989)}}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move c2c4 b7b6
\move b1c3 c7c5
\move e2e4 d7d6
\move d2d4 c5d4
\move f3d4 c8b7
\move d1e2 b8d7
\move g2g3 a8c8
   Zu früh --- besser war e6.
\move f1g2 a7a6
\move e1g1 d8c7
\move b2b3 e7e6
\ply c3d5~!
   Schwarz hat die Entwicklung sträf\/lich vernachlässigt und
   bekommt nun die Quittung in Form dieses schematischen
   Springeropfers geliefert. Die Annahme|12. ... e*d5
   13. e*d5 Kd8 14. Lb2| sichert Weiß einen soliden Stellungsvorteil,
   da Schwarz nicht zur Weiterentwicklung kommt und die Figur bald
   zurückgeben muss.
\ply c7b8
\move f1d1 g7g6
   Der Springer auf d5 lähmt die schwarze Stellung.
\move c1g5 f8g7
   |e*d5| wäre immer noch nicht ratsam, zum Beispiel:|15. e*d5+ Le7
   16. Sc6! L*c6 17. d*c6 Se5 18. f4 h6 19. f*e5 d*e5 20. Le3
   \wdecisive{}|
\move g5f6 d7f6
   |15. ... L*f6 16. S*f6 S*f6 17. e5! d*e5 18. L*b7 D*b7 19. D*e5 Ke7
   20. S*e6 f*e6 21. Td6| gibt Weiß ebenfalls heftigen Angriff.
\move d5b6 c8d8
\move e4e5~! b7g2
\move e5f6 g7f6
\move d4e6 f7e6
\move e2e6+ f6e7
\move c4c5~! g2b7
\move d1e1 b8c7
\move c5c6~! b7c6
\move a1c1 d8d7
\move b6d7 c7d7
\move e6c4 c6b7
\move c4c7 h8f8
\move c7b8+ e8f7
\ply c1c7~!~1:0
\bigskip

Das vor allem in Sizilianischen Igelstellungen typische Springeropfer
auf d5 beschäftigt uns auch in der nächsten Partie:
\bigskip

\centerline {\textbf {Tolstih -- Gipslis (1993)}}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move b1c3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 f8e7
\move f1e1 d7d6
\move e2e4 a7a6
\move d2d4 c5d4
\move f3d4 d8c7
\move c1e3 b8d7
\move f2f4 e8g8
\move a1c1 f8e8
\move g3g4 d7c5
\move e3f2 g7g6
\move b2b4 a8d8~!?
\bigskip \showboard \bigskip
   Analysiere nun ausgehend von der Diagrammstellung die Folgen
   von|17. Df3, 17. b*c5, 17. g5 und 17. f5|. Die Partiefortsetzung
   könnte eine Hilfe sein!
\move d1e2 c5d7
\ply c3d5
   Interessant war hier der Figurengewinn|18. e5 d*e5 19. f*e5 S*g4
   20. D*g4 S*e5 21. De2 L*g2 22. K*g2 S*c4 23. Se4 b5 24. Df3 Kg7
   \unclear{}|
\ply e6d5
\move c4d5 c7b8
\move d4c6 b8a8
\ply e2f3
   Auch hier kam e5 in Frage, zum Beispiel|21. e5 d*e5 22. f*e5 Ld6?!
   23. Ld4 S*d5 24. L*d5 S*e5 25. L*e5 L*e5 26. L*f7+ K*f7
   27. S*e5+ Kg8 28. Tc7 Db8 29. Tec1 \unclear|. ---|25. Df2!| hätte
   Weiß aber Vorteil gelassen; besser ist daher wohl|22. ... Lf8
   23. Ld4 S*d5 24. L*d5 S*e5 25. S*d8 L*d5 26. L*e5 D*d8| mit gutem
   Spiel für die Qualität.
\ply e7f8
\move c6d8 a8d8
\move g4g5 f6h5
\move g2h3 b6b5
\move c1c2 d7b6
\move h3g4 h5g7
\move f2b6 d8b6+
\move f3f2 b6d8~\whitebox{}
\move f2d4 g7f5
\move d4f2 f5g7
\move f2d4 g7f5~remis
\bigskip

Lösung der Analyseaufgaben:
\bigskip

|17. {\Fig {Q}}f3|:
   \begin {itemize}
   \item |17. ... Scd7? 18. Sd5 e*d5 19. c*d5 Db8 20. Sc6 Da8
      21. e5 \wupperhand|
   \item |17. ... Sc*e4! 18. S*e4 S*e4 19. T*e4 L*e4| ---
      nicht|19. ... f5 20. g*f5 e*f5 21. T*e7| ---|20. D*e4 d5
      21. De3 d*c4 22. a3 Ld6 23. Se2 b5 \bbetter|
   \end {itemize}
|17. b\weakpt c5|:
   \begin {itemize}
   \item [] |d*c5 18. S*e6 f*e6 19. Df3 Ld6 20. Le3 Lc6 21. a4 Db7
   22. g5 Sh5 23. Dg4 \unclear|
   \end {itemize}
|17. g5|:
   \begin {itemize}
   \item [] |Sh5 18. Df3 Sd7 19. Sd5 e*d5 20. c*d5 Db8 21. Sc6 Da8
   22. Lh3 f6 23. Ld4 \unclear|
   \end {itemize}
|17. f5|:
   \begin {itemize}
   \item [] |Lf8 18. f*e6 f*e6 19. g5 Sh5 20. b*c5 d*c5
      21. S*e6 T*e6 22. Sd5|
      \begin {itemize}
      \item |Db8 23. Lf3 Sf4 24. Lg3 Ld6 25. e5 \wupperhand|
      \item |Dd6 23. Lf3 (23. e5 T*e5 24. T*e5 D*e5 25. Sf6+ S*f6
         26. D*d8 L*g2 27. D*f6 D*f6 28. g*f6 Lc6 \bbetter)
         23. ... Te5 24. L*h5 T*g5+ 25. Lg4 h5
         26. Lg3 T*g4 27. D*g4 h*g4 28. L*d6 \wupperhand|
      \item |Df7 \unclear|
      \end {itemize}
   \end {itemize}

Die Stellung bot also ein breites Spektrum an taktischen Möglichkeiten.
Auch in der folgenden Partie marschierte Weiß mit e4, f4 und g4 am
Königsflügel auf, doch Schwarz setzte zu einem interessanten Konter an:
\bigskip

\centerline {\textbf {Kristiansen J. -- Hansen L. B.}}
\centerline {\textbf {(1988)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 g8f6
\move b1c3 e7e6
\move g1f3 c7c5
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 a7a6
\move f1e1 f8e7
\move e2e4 d7d6
\move d2d4 c5d4
\move f3d4 d8c7
\move c1e3 b8d7
\move a1c1 e8g8
\move h2h3 a8c8
\move b2b3 c7b8
\move f2f4 b8a8
\move e3f2 f8e8
\move g3g4 d7c5
\ply d1f3
   Da Weiß nun einfach g5 droht und|S*e4| auch nicht funktioniert,
   entschloss sich Schwarz zum folgenden Bauernopfer.
\ply g7g5~!?
\move f4g5 f6d7
\move f3e3 d7e5
   Für den Bauern besitzt Schwarz das starke Springerfeld e5.
   Außerdem ist der weiße Angriff gestoppt.
\move c1d1 c5d7
\move d4f3 e5f3+
\move g2f3 c8c5
\move h3h4 e7f8
\move e3e2 c5c6
\move f2d4 d7e5~!
\move d1d2 f8g7
\move f3g2 a8b8
\move c3d1 b7c8
\move d1f2 b6b5
\move c4b5 a6b5
\move f2d3 e5f3+
\move e2f3 g7d4+
   Und remis im 82. Zug.
\bigskip

In Stellungen mit Bauern auf e4/f4 muss Schwarz immer auf den Vorstoß
f4--f5 vorbereitet sein, womit e6 angegrif\/fen und d5 geschwächt
werden soll. Ein Beispiel:
\bigskip

\centerline {\textbf {Larsen -- Quinteros (1982)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 g8f6
\move b1c3 c7c5
\move g2g3 e7e6
\move g1f3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 f8e7
\move f1e1 e8g8
\move e2e4 d7d6
\move d2d4 c5d4
\move f3d4 d8c7
\move b2b3 a7a6
\move c1b2 b8d7
\move f2f4 f8e8
\move f4f5~!? e6e5
\move d4c2 b6b5~!
   Weiß hat sein Ziel erreicht und d5 geschwächt, doch da Schwarz
   sofort mit b5--b4 antwortete, muss er das neugewonnene Terrain
   unter ungünstigen Umständen besetzen.
\move c2e3 b5b4
\move c3d5 f6d5
\move e3d5 b7d5
\move c4d5 e7g5~!
\move h2h4 g5h6
\move g2f1 e8c8
\move f1c4 a6a5
\move g1g2 a5a4
\move e1e2 a8a5
\move d1e1 c7b6
\move g2f3 a5c5
\move b2c1 h6c1
\move a1c1 a4b3
\move a2b3 c5a5
\move g3g4 c8a8
\move g4g5 d7c5
   Schwarz besitzt nun die bessere Leichtfigur und die Herrschaft
   über die a-Linie. Die weißen Angriffsmöglichkeiten vermochten
   diese Defizite nicht zu kompensieren \dots{} (0:1, 49).
\end {multicols}
\vfill

\subsection* {a5) Weiß spielt auf Raumkontrolle (e4/f4, c4/b4).}
\begin {multicols} {2}

Eigentlich ist dies weniger ein konkreter Plan, als eine
psychologische Vorgehensweise. Weiß verhindert prophylaktisch
jedes Gegenspiel und wartet auf Schwächungen, um dann loszuschlagen.
Das kann für den Igel-Spieler zu einer ziemlichen Geduldsprobe werden.
Ein Meister der Raumkontrolle (Vier Reihen gegen drei!) ist der
FIDE-Weltmeister Anatoli Karpow.
\bigskip

\centerline {\textbf {Karpow -- Ribli (1986)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 c7c5
\move g1f3 g8f6
\move b1c3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 d7d6
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 a7a6
\move f1d1 f8e7
\move b2b3 b8d7
\move e2e4 d8c8
\move c1b2 e8g8
\move f3d2 c8c7
\move a1c1 a8c8
\move h2h3 f8e8
\move a2a3 c7b8
\move b3b4 e8d8
\move d4e3 b7a8
\move e3e2 f6e8
\move d2f1 a8b7
\move g1h2 e8f6
\move f1d2 f6e8
\move d1e1 b7a8
\move d2b3 e7g5
\move c1c2 c8c7
\move f2f4 g5f6
\move e1c1 d8c8
\move c3d1 a8b7
\move e2d3 f6b2
\move d1b2 b8a8
   Nach umsichtiger Vorbereitung hat Karpow die Bauern auf
   die 4. Reihe geschoben, die neuralgischen Punkte e4 und c4
   sorgsam überdeckt und ein wachsames Auge auf die
   Befreiungszüge b5, d5 und e5 geworfen. Weiß besitzt
   Raumvorteil aber keine konkreten Drohungen.

\bigskip \showboard \bigskip

\move b2d1 a6a5~?
   Ribli verliert die Nerven und schwächt b5 --- geboten
   war|Td8| nebst|Tcc8|.
\move b3d4~! c8d8
\move d4b5 c7c8
\move d1c3 a8b8
\move c1d1 d7f6
\move c2d2 h7h6
\move d3e2 b7a8
\move h2g1 a8c6
\move g1h2 e6e5~?!
\move f4f5 b8a8
\move g3g4 a8b8
\move h3h4 b8b7
\move g2f3 b7e7
\ply h2g3~?!~({\Fig {K}}g2!)
\ply a5b4
\move a3b4 d6d5~!?
\move c4d5 c6b5
\move c3b5 e7b4~?
   |Sd6| war Pflicht.
\move g4g5 h6g5
\move h4g5 f6h7
\move d5d6~! c8c5
\move d2b2 b4c4
\move e2h2~! c5b5
\move h2h7+ g8h7
\move b2h2+ h7g8
\move d1h1 f7f6
\ply h2h8+~1:0
\end {multicols}
\bigskip

\subsection* {b1) Schwarz versucht, d6--d5 und/oder b6--b5 durchzusetzen.}
\begin {multicols} {2}

Mit dem Vorstoß d6--d5 befreit sich Schwarz nicht nur von einer
potenziellen Schwäche --- er öffnet gleichzeitig die Zentrallinien
für seine Türme und Diagonalen für seine Läufer.
Ein Generalabtausch in diverse Schwerfigurenendspiele ist häufig
günstig für Schwarz, da die vorgeschobenen Bauern des Anziehenden
ernsthafte Schwächen hinterlassen (2. Reihe!).
\vspace {\baselineskip} \\
Es folgt: \\
\textbf {Bönsch -- Ftacnik (1988)} \\
Stellung nach|19. ... d5!?|
\bigskip

\newgame \position
\board {d..tt.k.}
       {.l.slbbb}
       {bb..bs..}
       {...b....}
       {.BB.BL..}
       {.SS...BB}
       {B...DBL.}
       {..TT..K.}
\endposition
\movecount=19
\showboard \bigskip

In der Diagrammstellung haben folgende Faktoren
den d5-Vorstoß begünstigt:
\begin {itemize}
\item Gegenüberstellung von|De2| und|Te8|
\item ungedeckter Bauer b4
\item |Da8| und|Lb7| beherrschen die lange Diagonale.
\item |Se4| als Antwort auf e4--e5 ist möglich.
\end {itemize}
Die Partie entwickelte sich folgendermaßen:
\move e4e5~! f6e4
   Schwarz muss sich bei d6--d5 immer zuerst über die Antwort e4--e5
   Gedanken machen. Gelingt es Weiß, den schwarzen Königsspringer
   passiv zu stellen und die Stellung zu blockieren (Feld d4!),
   ist d6--d5 verfehlt gewesen.
\move c4d5 e4c3
\move c1c3 d7f8
\ply b4b5
   Weiß ist gezwungen, Zeit mit dem b-Bauern zu verlieren, da|23. d6?!
   L*g2 24. d*e7 T*d1+ 25. D*d1 T*e7 26. Kh2 Ld5 nebst Sg6| und so weiter
   Schwarz das bessere Spiel einräumt.
\ply a6b5
\move e2b5 b7d5
\move g2d5 d8d5
\move d1d5 e6d5
\ply f4e3
   Diese Stellung war schwer einzu\-schätzen --- a2/e5 und b6/d5 dürften
   in etwa gleich schwach sein. Käme Weiß zur Blockade des d-Bauern,
   stünde er wohl etwas besser.
\ply e7c5~!
\move b3c5 b6c5
\move c3c5 d5d4~!
\move e3c1 e8b8
\move b5d3 a8a2
\move d3d4 f8e6
\move d4c4 a2a8
\move c5c6 e6d4~!
\move c6c5 b8d8
\move c1e3 d4f3+
\move g1f1 f3h2+
\move f1e1 a8h1+~0:1
\bigskip

Der Vorstoß b6--b5 wird häufig auch unter Bauernopfer angewandt,
um den weißen c-Bauern vom Feld d5 abzulenken und somit den Vorstoß
d6--d5 zu ermöglichen. Nebenbei werden auch noch Linien am
Damenflügel aufgerissen. Zu einer solchen Situation kam es in der
folgenden Partie:
\bigskip

\centerline {\textbf {Hübner -- Kasparow (1981)}}
\smallskip
\newgame
\move c2c4 g8f6
\move b1c3 c7c5
\move g1f3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 f8e7
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move b2b3 e8g8
\move e2e4 b8d7
\move d4e3 a7a6
\move f3d4 d8c7
\move c1b2 f8e8
\move h2h3 e7f8
\move f1e1 a8d8
\move e1e2 g7g6
\move a1e1 c7b8
\move e3d2 f8g7
\move d2d1 d7c5
\move b2c1 d8c8
\move c1g5 h7h6
\move g5c1 e8d8
\move c1b2 b6b5~!
   Nach dem planlosen Spiel von Weiß ist es endlich so weit:
   Schwarz bricht durch.
\move c4b5 d6d5
   Kasparow braucht die Variante|25. b*a6 L*a6 26. Td2 d*e4|
   kaum zu fürchten. Auch|25. e5 Sfe4!| begünstigt Schwarz.
\move e4d5 f6d5
\move c3d5 b7d5
\move b3b4 d5g2
\move g1g2 e6e5~!
\move b4c5 e5d4
   Weiß muss sich nun um den Freibauern kümmern;|30. Te7?! T*c5
   31. Db3 Tf8 \withidea{} Tb5 \bupperhand{}| --- vielleicht
   war aber|30. Dd3 a*b5 31. Tc2| spielbar.
\move e2d2 c8c5
\move b5a6 b8a8+
\move d1f3 a8a6
\move e1d1 c5f5
\move f3e4 a6a4~!
   \withidea{}|35. L*d4 Tfd5|
\move a2a3 d8e8
\move e4b7 e8d8
\move d2d3 h6h5
\move d1d2 a4e8
\move g2f1 d8b8
\move b7c7 b8b2
\move d2b2 e8e4
   Das Qualitätsopfer brachte den entscheidenden Tempogewinn.
\move c7c4 e4h1+
\move f1e2 h1g1
\move b2b8+ g8h7
\move f2f4 h5h4~!
\move b8b5 f5b5
\move c4b5 h4g3
\move b5g5 g1f2+
\move e2d1 f2f1+~0:1
\bigskip

b6--b5 kann in Igel-Stellungen vielerlei Nutzen haben. Neben der
Vorbereitung von d6--d5 kann b5 auch eine Aktion am Königsflügel
unterstützen, oder die positionelle Idee b5--b4 mit Lähmung der
weißen Damenflügelbauern und Sicherung des Springerfeldes c5
verfolgen. Zwei Beispiele:
\bigskip

Es folgt: \textbf {Miles -- Adorjan (1979)}
\bigskip

\newgame \position
\board {tdt...k.}
       {...slbbb}
       {bb.bbs..}
       {........}
       {.BBD....}
       {..S..BB.}
       {BL.SB.KB}
       {..TT....}
\endposition
\movecount=17
\global\Whitefalse
\showboard \smallskip

\ply b6b5~!
\move c4b5 a6b5
\move d4d3 d7e5
   Normalerweise sollte Schwarz nicht b6--b5 spielen, wenn der Bauer
   blockiert werden kann und zur Schwäche wird. Hier jedoch ist die
   weiße Königsstellung anfällig --- f2--f3 hat die 2. Reihe und
   die schwarzen Felder geschwächt --- und b5 lenkt die weißen
   Figuren von der Verteidigung des Königsflügels ab.
\move d3b5 b8a7~!
\move e2e4 a7e3
   Verhindert|De2|.
\move b5f1 g7g5~!
   Schwarz kämpft um die Felder g4, f3 und e4.
\ply c1c2
   Alternativen:| \\
   23. Sb3 g4 24. f*g4 Sf*g4 25. Df4| ---|25. h3 T*c3!
   26. T*c3 T*a2| ---|T*c3 26. T*c3 De2 \bdecisive{}; \\
   23. a3 g4 24. f4 Sd3 25. Sc4 Df3+; \\
   23. h3 h5!|
\ply a8a2~!
\ply c3d5
   |24. Te1 Dd3|
\ply c8c2~!
\move d5e3 c2b2
\move f1e2 g5g4~!
\move f3f4 f6e4
\move e3f1 e4d2
\move d1d2 b2d2
\move f1d2 e5f3
\move e2c4 a2d2+
\move g2f1 e7f6~0:1
\medskip

\centerline {\textbf {Efimow -- Gawrikow (1992)}}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 e7e6
\move b1c3 d7d6
\move b2b3 b8d7
\move c1b2 a7a6
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 f8e7
\move f1d1 d8c7
\move a1c1 e8g8
\move f3e1~?! b7g2
\move e1g2 f8d8
\move g2e3 c7b7
   Das Idealfeld für die Dame.
\move c1c2 b6b5~!
   Weiß konnte|16. a4| wegen|Sc5| nicht spielen.
\move d1c1 d8c8
\move c3d1 b5b4~!
   Mit dem starken Springerfeld c5 und dem Plan a5--a4
   besitzt Schwarz bereits Positionsvorteil.
\move e3g4 a6a5
\move g4f6+ d7f6
\move d1e3 b7e4
   Im Endspiel würden die schwarzen Vorteile noch mehr ins Gewicht
   fallen. Außerdem ist der Druck auf der Diagonalen lästig.
\move d4d2 f6d7
\move f2f3 e4g6
\move g1g2 d7c5
\move b2d4 h7h5~!
\move c2b2 e7g5
\move d2c2 g6c2
\move c1c2 a5a4
\move h2h4 g5e7
\move e3f1 a4b3
\move a2b3 f7f5
\move f1d2 g8f7
\move b2a2 e7f6
\move d4f6 f7f6
\move a2a8 c8a8
\move g2f2 a8a1
\move c2b2 e6e5
\move d2b1 g7g5
\move h4g5+ f6g5
   Und Schwarz gewann (0:1, 55). Eine gute Illustration für den
   positionellen Gehalt von b6--b5, auch wenn Weiß natürlich nicht
   gut gespielt hat.
\end {multicols}

\subsection* {b2) Zentrumskonter e6--e5}

In seltenen Fällen kann Schwarz mit dem antipositionellen Vorstoß
e5 Vorteil erringen. Dies ist fast immer taktisch begründet und
findet meistens in Stellungen mit der Konstellation|e4/f4,Sd4,Kg1|
Anwendung.
Wichtig ist dabei auch der vorbereitende Zug|Lf8|!
Zwei Beispiele:

\begin {multicols} {2}
\position
\board {t...tlk.}
       {.lds.bbb}
       {bb.bbs..}
       {........}
       {..BSBB..}
       {.BS.D.BB}
       {BL....L.}
       {T..T..K.}
\endposition
\showboard
|15. ... e5! 16. Sf5 d5!|
\bigskip

\position
\board {t...tlk.}
       {.lds.bbb}
       {bb.bbs..}
       {........}
       {..BSBB..}
       {.BS.D.B.}
       {BL....LB}
       {...TT.K.}
\endposition
\showboard
|15. ... e5! \withidea{} d5|
\bigskip
\end {multicols}

\subsection* {b3) Druck auf e4 und/oder c4}
\begin {multicols} {2}

Hat Schwarz bereits d5 oder b5 durchgesetzt, kann dies leicht
zu weißen Schwächen auf e4 oder c4 führen. Außerdem können
die Züge f4 oder b4 zum gleichen Resultat führen. Das macht es
für Weiß so schwer, den Igel zu überrennen. In Stellungen mit
schwachen c-Bauern gelingt es Schwarz oft, durch Fesselmotive
in der c-Linie b5 oder d5 durchzusetzen und dabei einen Bauern
zu gewinnen. Die folgende Position kennen wir bereits aus der
Partie \textbf {Kasparow -- Karpow (1981)}:
\bigskip

\newgame \position
\board {.s..t.k.}
       {..t.lbbb}
       {bb.bb...}
       {..d.....}
       {B.BS....}
       {.B....B.}
       {...TBBLB}
       {.D.T..K.}
\endposition
\movecount=20
\showboard \bigskip
\move b3b4~!? c5h5
\ply d2c2~?
   Ein typischer Fehler --- der Turm macht nur Sorgen in der c-Linie.
   Richtig war|22. b5 a5 23. Sc6| und die Schwäche c4 fällt nicht mehr
   ins Gewicht. Eine Analyse wert wäre allerdings das
   dubiose|22. ... T*c4|.
\ply e8c8
\move b4b5 a6b5
\ply a4b5
   |24. S*b5 Td7| nebst eventuell|S-a6-c5| hätte Schwarz leichten
   Vorteil gegeben.
\ply c7c4
\move c2c4 c8c4
\move b1a2 h5c5
\move a2a8~!? c4d4
\move a8b8+ e7f8
\move d1a1 d6d5~?
   Vorteil ergab|29. ... h6|, zum Beispiel|30. Lf1 Tb4 31. Ta8 d5
   32. Ta7 Tb1 33. De8 Dc1!| oder|30. De8 Tc4 31. Ta8 Tc1+
   32. Lf1 Dd5! 33. D*f8+ Kh7|.
\move g2f1 d4c4
\move a1a8 c4c1
\move b8e8 d5d4
\move a8a7 c5f5
\move a7a8 f5c5
\move g3g4 c5d6
\move a8d8 d6b4
\move d8d7 h7h6
\move e8f7+ g8h7
\move g4g5 b4b1~!
\move g5g6+ b1g6+
\move f7g6+ h7g6~remis
\end {multicols}
\vfill

\subsection* {b4) Schwarz spielt am Königsflügel.}
\begin {multicols} {2}

In einigen Partien haben wir bereits schwarzes Spiel auf dem
Königsflügel als Folge erfolgreichen d5's oder b5's erlebt.
Dies kann aber auch in verkehrter Reihenfolge vorkommen:
\smallskip

\centerline {\textbf {Polugajewski -- Ftacnik (1982)}}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move b1c3 e7e6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 f8e7
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move f1d1 a7a6
\move b2b3 b8d7
\move e2e4 d8b8~!?
\ply c1b2
   Konsequente Fortführung des Planes wäre|12. La3 Sc5 13. e5 d*e5
   14. D*e5 Scd7 15. D*b8 T*b8 16. L*e7 K*e7|, zum Beispiel|17. Sd4
   Thc8 18. Tac1 g5!? 19. L*b7 T*b7 20. f3 Tbc7 21. Sce2 h5|
   (Lautier -- Kamsky, Groningen 1996, 0:1, 42).
\ply e8g8
\move f3d2 f8d8
\move a2a4 b8c7
\move d4e3 a8c8
\move e3e2 d7e5
   |\withidea{} 16. f4? Dc5+ und Seg4|
\move h2h3 h7h5~!
\move f2f4 e5g6~!?
   Das war Ftacniks eigentümliche Idee. Weiß muss nun
   mit h5--h4 rechnen.
\ply d2f3
   Polugajewski überlegte eine halbe Stunde an diesem Zug,
   aber|19. f5 Se5| war wohl konsequenter.
\ply d6d5~!?
   Die Schwäche f4 macht es möglich. --- Weiß sollte jetzt
   unbedingt|20. e5| spielen, wenngleich|20. ... Se4 21. S*e4 d*e4
   22. Sd2 h4| Schwarz gutes Spiel gibt.
\move c4d5 h5h4~!
\move f3h4 g6h4
\move g3h4 c7f4
\move d5e6 f7e6
\ply e4e5
   Wehrt die Drohung|L-c5-d6| ab.
\ply e7c5+
\move g1h1 f6h5~!
\move e2h5 f4g3
\move c3d5~\whitebox{} d8d5~!
\ply d1f1
   Hofft auf Dauerschach.
\ply g3g2+~!
\move h1g2 d5d2+~0:1
   Ich hof\/fe, diese letzte Partie hat noch etwas Werbung
   für den Igel gemacht.
\bigskip

Der englische GM King hat in sein Buch "`Wie gut ist dein Schach?"'
auch eine Igel-Testpartie (Vukic -- Suba) aufgenommen.
Diese möchte ich meiner kurzen Abhandlung noch anfügen,
da sie möglicherweise als kleine Lernkontrolle fungieren kann.
\bigskip

Frank Roeberg \\
Gießen, den 07.02.1996
\end {multicols}
\newpage

\section* {GM King: "`Wie gut ist dein Schach?"'}
\markboth {Englische Igel-Stellungen mit {\Fig B}g2}
   {GM King: "`Wie gut ist dein Schach?"'}

\begin {multicols} {2}
Den größten Fortschritt im Schachdenken der letzten 20 Jahre
bildete die Einführung und Entwicklung des Igel-Systems.
Anatoli Karpow und Ulf Andersson waren die Pioniere, die es
benutzten, um in den frühen 1970er Jahren ihre ersten
Turniererfolge zu sammeln. Sie erlaubten ihren Gegnern,
ein scheinbar dominierendes Zentrum zu bilden, und begnügten
sich damit, hinter einer Barrikade von Bauern auf ihre Stunde
zu warten. Das System wurde als "`Igel"' bekannt, weil die
Bauern eng beieinander auf der sechsten Reihe den dichten
Stacheln dieses Tiers ähnlich betrachtet wurden: sie bringen
einem Angreifer, der zu nahe kommt, eine unangenehme Überraschung. \\
Und das ist genau das, was in vielen Partien passiert.
Überzeugt, dass dieses breite Zentrum ihnen Vorteil gibt,
fühlen sich viele Spieler gedrängt, vorwärtszustürmen,
nur um festzustellen, dass sie damit ihrer eigenen Stellung
den größten Schaden tun. \\
Viele Osteuropäer wurden Anhänger des Igels, namentlich
Zoltan Ribli und Andr\'as Adorjan in Ungarn, sowie
Mihai Suba und Florin Gheorghiu in Rumänien.
Suba entwickelte in der Tat eine ganze Philosophie, die zum
großen Teil auf den mit der Igel-Struktur verbundenen Ideen
beruht und die er in seinem provokanten wie unterhaltsamen Buch
"`Dynamic Chess Strategy"' (Maxwell Macmillan 1991) ausführt.
Diese Partie ist typisch.
\bigskip

\centerline {\textbf {Vukic -- Suba}}
\centerline {Vinkovci 1977}
\centerline {Igel-Verteidigung}
\smallskip
\newgame
\move g1f3 g8f6
\move g2g3 b7b6
\move f1g2 c8b7
\move e1g1 e7e6
\move c2c4 c7c5
\move d2d4 c5d4
\move d1d4 d7d6
\move b1c3 a7a6
\move f1d1 d8c7
\move b2b3 b8d7
\move c1b2 f8e7
\move e2e4 e8g8
\ply d4e3

\bigskip \showboard \bigskip
\bigskip

   Nun versuchen Sie, die schwarzen Züge vorauszusagen.
\smallskip \ply f8e8
   Fünf Punkte. Ein starker und subtiler Zug. Es ist erstaunlich,
   von welchem Nutzen der Turm sein kann, wenn er der Dame
   gegenübersteht; taktische Möglichkeiten aller Art werden greifbar,
   mehr dazu später.
\ply f3d4
\smallskip \ply e7f8
   Drei Punkte. Dieses "`Zusammenrollen"' ist ein wesentlicher Teil
   der schwarzen Igel-Strategie: auf f8 ist der Läufer sicher,
   weit außerhalb der Reichweite der weißen Springer; und der Turm
   auf e8 wird demaskiert. \\
   Angenommen, Weiß zieht nun|15. f4|, was wäre Ihre Antwort? \\
   Zwei Punkte für|15. ... e5|. Wenn Weiß nimmt:|16. f*e5 d*e5
   17. Sf5 Lc5| mit Damengewinn; und falls|16. Sc2|, dann|16. ... d5!|,
   was dem Läufer den Weg nach c5 freimacht. \\
   Dies ist eine gute Illustration, wie die schwarze Stellung
   plötzlich, und reichlich unerwartet, zum Leben erwachen kann,
   denn obwohl sie verpackt scheinen, sind die schwarzen Kräfte in
   Wahrheit sehr gut koordiniert. Wie Suba es nennt, enthält die
   schwarze Stellung große "`potenzielle Energie"'.
\ply a1c1
   "`Ein häufiges Bild im Igel. Die weiße Stellung wirkt ideal.
   Das ist die nackte Wahrheit, aber das ,Ideal' hat per
   definitionem einen Nachteil --- es kann nicht verbessert werden."'
   (Subas gedankenanregender Kommentar zu dieser Stellung.) \\
   Obwohl es bisher keinen direkten Kontakt zwischen den zwei
   Streitmächten gibt, spielt sich ein guter Teil hinter den Linien ab.
   Haben Sie erkannt, dass|14. ... Lf8| nicht nur ein allgemein
   nützlicher Zug war, sondern eine Drohung aufstellte,
   die|Tac1| verhindert hat? Hätte Weiß statt dessen|15. h3| gezogen,
   was hätte Schwarz auspacken können? \\
   |15. ... d5!| (drei Punkte) ist der Zug. Es gibt wenig dagegen
   zu tun, dass Schwarz den Bauern c4 isoliert, denn wird der d-Bauer
   genommen, geht die Linie des Turms in Richtung der Dame
   auf:|16. c*d5 e*d5| und der e-Bauer ist so gut wie verloren;
   oder|16. e*d5 e*d5| und nach Damenzügen isoliert Schwarz
   den c-Bauern und gewinnt ihn schnell.
\smallskip \ply a8d8
   Zwei Punkte. Dieselbe Ausbeute für|15. ... Tac8|. \\
   Mit dem Turm auf c1 ist der Durchbruch d5 wirksam
   verhindert:|15. ... d5 16. c*d5 e*d5 17. S*d5 S*d5 18. e*d5! T*e3
   19. T*c7| mit Gewinnstellung.
\ply h2h3
\smallskip \ply g7g6
   Zwei Punkte. Setzt die mit|13. ... Tfe8| begonnene Umgruppierung
   fort.
\ply g1h2
\smallskip \ply f8g7
   Ein Punkt. Dieser Läufer kommt auf eine wirkungsvollere Diagonale.
\ply e3e2
   \bigskip \showboard \bigskip
\smallskip \ply c7b8
   Ein Punkt. Wenn Sie dies in einem der früheren Züge ab|15. ... Tad8|
   gespielt haben, bekommen Sie einen weiteren Punkt. Vom taktischen
   Standpunkt ist es sehr wichtig, die Dame aus der Turmlinie
   zu bringen (zum Beispiel wird d5 wieder einmal zur Drohung),
   und in der Tat steht sie auf b8 nicht weniger wirksam. \\
   Wir haben schon gesehen, dass Schwarz bereit ist, unter gegebenen
   Umständen mit e5 oder d5 einen Schlag auszuteilen, aber der andere
   Bauernhebel,
   der Schwarz zum Vorteil gereichen kann, ist b5, was ein Stück des
   Zentrums wegbricht. Die Dame steht auf b8 gut, um den b-Bauern
   zu unterstützen. \\
   Zufällig droht auch wieder einmal d5; daher der nächste weiße Zug.
\ply e2c2
   Hätte Weiß stattdessen|19. f4| gespielt, wie hätten Sie
   geantwortet? \\
   |19. ... e5| (zwei Punkte) ist korrekt; nach|20. f*e5 T*e5| hat
   Schwarz furchtbaren Druck auf den e-Bauern. \\
   Nicht jedoch|19. ... d5|, was schlimm aussieht, wenn
   Weiß|20. e5| spielt.
\smallskip \ply d8c8
   Ein Punkt. Das Schattenboxen geht weiter. Der schwarze Turm jagt
   die Dame; einmal mehr droht d5. \\
   Beachten Sie, wie sorgfältig das Timing der schwarzen Bauernstöße
   gewählt werden muss:|19. ... e5| hätte zum Beispiel wenig Ef\/fekt,
   wenn es nicht tatsächlich die e-Linie für den Turm öffnet. Weiß
   könnte einfach|20. Sf3| spielen, mit der Idee|Sd2-f1-e3|, was
   das Feld d5 in eisernen Griff nimmt.
\ply c2d2
\smallskip \ply d7c5
   Drei Punkte. Druck auf den e-Bauern zu häufen ist ein guter Plan. \\
   |20. ... Tcd8| (zwei Punkte), was den Turm in Opposition zur Dame
   hält und außerdem den d-Bauern unterstützt, ist gut,
   aber nicht ganz so aktiv.
\ply d1e1
\smallskip \ply b8a8
   Ein Punkt. Setzt den Angriff fort.
\ply f2f3
   Indem er diesen Zug erzwingt, hat Schwarz einen kleinen, aber
   bedeutsamen Erfolg erzielt: der Läufer g2 hat nicht länger Einfluss
   im Zentrum; die zweite Reihe nicht länger Bauernschutz (wie wir
   später sehen, kann dies bei Öffnung der Stellung unangenehm werden);
   und eine neue Schwäche ist geschaf\/fen, auf die Schwarz mit seinem
   nächsten Zug geradewegs losgeht. \\
   Hätte Weiß versucht, diese Schwäche zu vermeiden, indem er den
   Bauern mit|22. De2| verteidigt, was könnten Sie spielen? \\
   Das typische|22. ... d5!| (ein Punkt) gibt Schwarz eine gute
   Stellung:|23. e5 Sfe4!|, und|24. S*e4 d*e4|, mit der
   Idee|25. ... Sd3|, ist riesig für Schwarz.
\smallskip \ply a8b8~!
   Vier Punkte. Dies ist der Zug, den ich in der letzten Anmerkung
   andeutete. Die Dame hat ihr Ziel auf a8 erreicht und kehrt nun
   nach b8 zurück, wo sie den schwachen Bauern g3 ins Auge fasst.
   Schönes, logisches Spiel. \\
   Nebenbei sollte ich erwähnen, dass Schwarz generell den Angriff
   mit b4 auf den Springer nicht fürchten muss,
   zum Beispiel|23. b4 Scd7 24. Lf1 Se5| und Weiß wird große
   Verrenkungen machen müssen, um den c-Bauern zu verteidigen.
\ply c1d1
\smallskip \ply b7a8
   Zwei Punkte. Erhöht die Harmonie zwischen den schwarzen Figuren.
   Der Läufer geht der Dame aus dem Weg, so dass sie fähig wird,
   den Hebel b5 zu unterstützen.
\ply d4e2
\smallskip \ply e8d8
   Ein Punkt. Es ist am besten, einen Turm auf der c-Linie zu halten,
   falls Weiß Ideen mit b4 haben sollte.
\ply e2d4
   Der Springer musste zurück. Wieso? Angenommen, Weiß hätte
   stattdessen|25. De3| gespielt, was hätten Sie gezogen? \\
   |25. ... b5!| (zwei Punkte) ist positionell höchst wünschenswert;
   nach|26. c*b5 a*b5| steht Schwarz besser aufgrund seiner zentralen
   Bauernmehrheit.

   \bigskip \showboard \bigskip

\ply c5d7
   Ein Punkt. Auch der Springer hat seine Rolle auf c5 ausgespielt
   und sucht neue Weidegründe. Nichts für|25. ... d5|
   wegen|26. c*d5 e*d5 27. e5|.
\ply d2f2
\smallskip \ply d7e5
   Ein Punkt. In Subas eigenen Worten: "`Schwarz fängt an, provozierend
   zu spielen."' Der Springer droht nichts Bestimmtes, aber ihn Weiß
   vor die Nase zu setzen, wenn er dagegen nichts tun kann,
   hat guten Wert. \\
   Wenn Sie schlicht einen Wartezug --- zum Beispiel|26. ... Te8| ---
   machten, bekommen Sie einen Punkt. Das Wichtigste ist, die Harmonie
   in der schwarzen Stellung zu erhalten. Früher oder später wird Weiß
   sich genötigt fühlen, seinen Raumvorteil irgendwie zu nutzen,
   vielleicht indem er einen unvorsichtigen Bauernzug macht, und dann
   wird Schwarz hinter den Barrikaden hervorbrechen. \\
   |26. ... d5| wäre weiterhin ein Fehler:|27. c*d5 e*d5 28. e*d5 S*d5
   29. S*d5 L*d5 30. Sf5!|.
\ply f2e2
\smallskip \ply e5c6
   Ein Punkt. Den Springer auf dieses Feld zu ziehen ist etwas
   ungewöhnlich, aber Suba hat eine spezielle Idee im Sinn. \\
   Es war weiter möglich zu warten: ein Punkt für|27. ... Te8|
   oder|27. ... Sed7|.
\ply d4c2
   Es wäre besser für Weiß gewesen,|28. S*c6 L*c6 29. a4!| zu spielen,
   um b5 zu verhindern (im Moment).
\smallskip \ply f6h5~!
   Fünf Punkte. Die Dame auf b8 lässt ihre Gegenwart unvermutet am
   Königsflügel spüren. Schwarz droht|29. ... d5| mit Angriff auf g3.
   Es ist außergewöhnlich, wie dieser Springerzug plötzlich die
   Schwäche des weißen Königsflügels aufdeckt --- zu viele Bauernzüge
   wurden gemacht.
\ply f3f4
   \bigskip \showboard \bigskip
\ply b6b5~!
   Vier Punkte. Der Ausbruch. Der Bauer ist immun, weil der Springer
   gefesselt ist.
\ply c4b5
\smallskip \ply a6b5
   Ein Punkt.
\ply g2f3
\smallskip \ply c6e7
   Ein Punkt. Ebenfalls einer für|31. ... b4|, aber nichts
   für|31. ... Sf6 32. S*b5|.
\ply c2d4
\smallskip \ply b5b4
   Zwei Punkte. Treibt den Springer ins Exil am Brettrand.
\ply c3a4
\smallskip \ply h5f6
   Ein Punkt. Nachdem er seine Arbeit auf h5 getan hat,
   hüpft der Springer ins Zentrum zurück, wo er einen
   potenziellen Vorstoß der schwarzen Bauern unterstützt.

   \bigskip \showboard \bigskip

\ply e4e5
   Weiß klappt zusammen. Es ist wahr, dass Schwarz Vorteil hat
   (es gibt eine angenehme Wahl zwischen den Durchbrüchen
   e5 oder d5), aber dies ist verhängnisvoll.
\smallskip \ply d6e5
   Zwei Punkte. Viel stärker als|34. ... L*f3 35. S*f3|, was Weiß
   die Chance gibt, auf e5 mit einer Figur wiederzunehmen.
\ply f4e5
   Falls|35. L*a8|, so ist|35. ... e*d4 36. Lf3 Sf5| schön für Schwarz.
\smallskip \ply a8f3
   Ein Punkt.
\ply d4f3
\smallskip \ply f6d5
   Ein Punkt. Der Springer kann nie von diesem Superfeld entfernt
   werden.
\ply d1c1
\smallskip \ply g7h6
   Drei Punkte. Der Läufer kommt auf eine exzellente Diagonale und
   reißt die Kontrolle über die of\/fene Linie an sich.
\ply c1c4
\smallskip \ply d5e3
   Ein Punkt.
\ply c4c1
\smallskip \ply e7d5
   Ein Punkt.
\ply c1c8
\smallskip \ply d8c8
   Ein Punkt.
\ply e2f2
\smallskip \ply e3f5
   Ein Punkt.
\ply e1e2
\smallskip \ply h6e3
   Ein Punkt.
\ply f2e1
\smallskip \ply b8b5
   Ein Punkt.
\ply f3d2
\smallskip \ply b5d3
   Ein Punkt.

   \bigskip \showboard \bigskip

   Diese Stellung repräsentiert den Triumpf der schwarzen Strategie:
   Weiß durfte ein breites, scheinbar starkes Bauernzentrum aufbauen
   (starr und unbeweglich könnte eine bessere Beschreibung sein),
   welches Schwarz aus dem sicheren Hinterhalt seiner eigenen Linien
   unter Beschuss nahm und tatsächlich zur Zerstörung brachte. Die
   schwarzen Figuren überfluteten dann das Vakuum, das zurückblieb.
   Die Letzten werden die Ersten sein.
\ply d2f1
\smallskip \ply c8c2
   Ein Punkt. Der einfachste Gewinnweg.
\ply e2g2
\smallskip \ply c2g2+
   Ein Punkt.
\ply h2g2
\smallskip \ply d3e4+
   Ein Punkt. Weiß gab auf, da|48. Kh2 Lg1+| die Dame gewinnt.
\end {multicols}
\newpage

\section* {Legende}
\markboth {} {}
\thispagestyle {empty}

\begin {itemize}
\item [!] ein guter Zug
\item [!!] ein ausgezeichneter Zug
\item [?] ein fehlerhafter Zug
\item [??] ein grober Fehler
\item [!?] ein interessanter Zug
\item [?!] ein fragwürdiger Zug

\item [\wdecisive] Weiß ist entscheidend im Vorteil.
\item [\bdecisive] Schwarz ist entscheidend im Vorteil.
\item [\wupperhand] Weiß hat Vorteil.
\item [\bupperhand] Schwarz hat Vorteil.
\item [\wbetter] Weiß steht etwas besser.
\item [\bbetter] Schwarz steht etwas besser.

\item [\equal] mit Ausgleich
\item [\unclear] unklar
\item [\compensation] mit Kompensation für das verlorene Material

\item [\zugzwang] Zugzwang
\item [\whitebox] einziger Zug
\item [\withidea] mit der Idee
\item [\betteris] besser ist
\item [\mate] matt
\end {itemize}

\end {document}

