\documentclass[twoside,a5paper]{article}
\usepackage{german,a5chess,multicol}
\pagestyle{myheadings}

% Originalwerte:
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% Ersatzwerte:
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\setlength {\parindent} {0pt}
% DRUCKMAKRO
\frenchspacing

\begin{document}
\thispagestyle{empty}
\fontsize{24.88}{30pt}
\selectfont
\centerline{Wie spielt man das}
\centerline{Wolga-Gambit?}
\fontsize{14.4}{18pt}
\vspace{1cm}
\selectfont
\centerline{Ein Leitfaden f"ur Schwarz}
\vspace{8cm}
\centerline{Arbeitsmaterialien zum 1.~Training des A-Kaders}
\centerline{Wetzlar, den 15.12.1990}
\centerline{Herausgegeben von Frank Roeberg,}
\centerline{Lehrwart der Hessischen Schachjugend im}
\centerline{Hessischen Schachverband e.V.}
\centerline{Nachdruck von T.~Klink}

\newpage
\thispagestyle{empty}
\section*{}

\newpage
\fontsize{10}{12pt}
\selectfont
\section*{Wie spielt man das Wolga-Gambit?}
\section*{Ein Leitfaden f"ur Schwarz}
\vspace{0.5cm}
\textbf{Vorwort}

\medskip
\noindent Die folgenden Seiten Er"offnungstheorie erheben nicht den Anspruch eines Nachschlagewerkes. Vielmehr soll f"ur Schwarz ein Weg aufgezeigt werden, wie das Wolga-Gambit gespielt werden kann. Die Auswahl dieses Weges ist nat"urlich rein subjektiv!

Bei meiner Darstellung habe ich keinen Wert auf gro"se Variantenf"ulle gelegt. Im Vordergrund stehen instruktive Beispielpartien, anhand derer die beiderseitigen Pl"ane in den verschiedenen Varianten erl"autert werden.

Da bei der Besch"aftigung mit Er"offnungstheorie auch immer selbst"andiges Forschen gefragt ist, habe ich f"unf Analyse- und eine Hausaufgabe in den Text eingebaut.

Auf die Erstellung eines detaillierten Inhaltsverzeichnisses habe ich verzichtet, da ihr die Abhandlung ohnehin von vorne bis hinten durcharbeiten solltet. Dennoch eine kurze "Ubersicht:

\vspace{1.5cm}
\begin{tabular}{ll}
Teil 1: & Wei"s l"a"st |L*f1| zu.\\
& \pageref{a}\\
Teil 2: & Wei"s fianchettiert seinen K"onigsl"aufer.\\
& \pageref{b}\\
Teil 3: & Die \glqq Moderne Variante\grqq{}.\\
& \pageref{c}\\
Teil 4: & Die Gambitvariante |1. d4, Sf6; 2. c4, c5; 3. d5, b5; 4. c*b5, a6;|\\
& |5. Sc3, a*b5; 6. e4|. \\
& \pageref{d}\\
Teil 5: & Wei"s verzichtet auf |b*a6|. \\
& \pageref{e}\\
Teil 6: & Wei"s lehnt das Gambit ab. \\
& \pageref{f}
\end{tabular}

\newpage
\thispagestyle{empty}
\section*{}

\newpage

\markboth{Wie spielt man das Wolga-Gambit?}{Wei"s l"a"st L\weakpt f1 zu}
\section{Wei"s l"a"st \bbishop\weakpt f1 zu}
\label{a}

\begin{multicols}{2}

\newgame
\centerline{\textbf{1.~Variante}}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move g1f3 g7g6
\move e2e4 a6f1
Wei"s hat die Absicht, k"unstlich zu rochieren; der K"onig wandert nach g2 oder h2.
\move e1f1 f8g7
\ply h2h3

\smallskip\showboard
\smallskip

Wei"s hat sich festgelegt: Der K"onig soll nach h2, und gleichzeitig wird das h"aufig anzutreffende Man"over |Sf6-g4-e5| verhindert. Die Alternative |10. g3| wird sp"ater behandelt.
\ply e8g8
\move f1g1 b8d7
Schwarz steht immer vor dem Problem, wie er seine beiden Springer koordinieren soll: Hier will der |Sd7| nach b6, von wo aus er sich auf a4 dem gegnerischen Damenspringer zum Tausch anbieten kann, und der |Sf6| geht "uber e8 -- mit L"auferfreilegung -- nach c7 und eventuell b5. Eine andere M"oglichkeit besteht in |11.: Sa6| mit den Marschrouten |Sa6-b4-d3 oder Sa6-c7-b5 und Sf6-d7-b6 oder -c5| nach erfolgtem c5--c4.
\move g1h2 d8a5
Hier steht die Dame meistens gut.
\move h1e1 f8b8
Der typische Turmschwenk -- Schwarz beordert alle Figuren zum Damenfl"ugel.
\ply e1e2
Der Sinn dieses Zuges besteht in der Deckung von b2, womit der L"aufer beweglich gemacht wird. Au"serdem befindet sich der Turm nach eventuellem c5--c4, |Sd7-c5-d3| nicht mehr im Schlagbereich des Springers.
\ply f6e8!
Begibt sich auf die vorgezeichnete Marschroute und l"a"st den |Lg7| zum gegnerischen Damenfl"ugel blicken.
\ply e2c2
So "uberdeckt Wei"s den |Sc3|. Auf |15. Dc2| hatte Schwarz die zus"atzliche M"oglichkeit c5--c4 und |Sd7-c5-d3|. Nach |15. Tc2| w"are c5--c4 zweischneidig wegen |16. Sd4!|, drohend auf c6 einzusteigen.
\ply d7b6
Will nach c4 mit Opferdrohung auf b2.
\move d1e2 a5a6!
Damentausch beg"unstigt fast immer Schwarz in dieser Variante. Nach dem Verschwinden der Damen erh"oht sich der Druck auf den Linien a und b, die hellen Felder im wei"sen Lager sind noch mehr geschw"acht und Schwarz kann gefahrlos den Sprengungszug f7--f5 anbringen.
\move e2a6 a8a6
\move b2b3 f7f5!
So wird der wei"se d-Bauer isoliert -- ein typisches Verfahren in Wolga-Gambit-Endspielen.
\ply e4f5
In einer Partie Wosselmann -- Ghizdavu, Niederlande 1974, folgte stattdessen |19. e5, d*e5; 20. Lb2, e4; 21. Se1, Sd6; 22. Td1, c4; 23. b4, Sa4| mit klarem Vorteil f"ur Schwarz.
\ply g7c3!
\move c2c3 b6d5
\move c3d3 d5b4
\move d3d1 g6f5
und Schwarz macht weiterhin Druck!

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{2.~Variante}}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move g1f3 g7g6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 f8g7
\move g2g3 e8g8
\move f1g2 b8d7

\smallskip\showboard
\smallskip

Im Unterschied zur ersten Variante hat Wei"s seinen K"onigsfl"ugel einen Zug schneller entwickelt, daf"ur mu"s er aber mit dem Man"over |Sf6-g4-e5| rechnen. Will er dieses verhindern, mu"s er entweder h3 spielen, womit das Mehrtempo wieder verschenkt wird, oder aber |Sd2 mit der Idee Sc4|.
\move f3d2 d8a5
\move d2c4 a5a6
\move d1e2 f8b8
\ply h1e1
Die M"oglichkeit |15. Ld2| betrachten wir anschlie"send in der Fernpartie Arsic -- Despotovic.
\ply b8b4!
Wei"s kann das geplante e4--e5 nicht durchsetzen.
\ply c4a3
Oder |16. Se3, Sb6; 17. D*a6, T*a6 nebst Sa4| und starkem Druckspiel.
\ply d7e5!
Schielt nach d3; |17. D*a6, T*a6| verschlimmert die wei"se Lage noch.
\move a3c2 e5d3
und Wei"s ist in argen Schwierigkeiten.
In einer Partie \textbf{Dommes -- Silberman} folgte hier: |18. S*b4, S*e1+; 19. D*e1, c*b4; 20. Sd1, Dd3; 21. f3, Sd7; 22. Le3, Sc5; 23. Sf2, Db5; 24. L*c5, D*c5; 25. Dd2, b3; 26. a4, Tc8; 27. Sd1, Dc2; 28. D*c2, b*c2; 29. Sc3, Tb8; 30. Tc1, T*b2| und Schwarz gewann. Ein sch"ones Beispiel daf"ur, da"s der schwarze Druck trotz Minusbauer auch im Endspiel partiebestimmend ist.

\newgame
\medskip
\centerline{\textbf{Arsic -- Despotovic}}
\centerline{Fernpartie 1975}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 g7g6
\move g2g3 f8g7
\move f1g2 e8g8
\move g1f3 b8d7
\move f3d2 d8a5
\move d2c4 a5a6
\move d1e2 f8b8
\move c1d2 d7b6
\ply b2b3
 Nach |16. S*b6, D*e2; 17. S*e2, T*b6| h"angen e4 und b2 !
\ply b6c4
\ply b3c4

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply f6d7
Zu beachten war auch |17.: Tb2|.
\ply a1b1
Auch auf |18. Thb1 w"are Tb4!| gut gewesen.
\ply b8b4
\ply a2a3
oder |19. T*b4, c*b4; 20. Sd1, D*a2 ,| und der b-Bauer gewinnt die Partie.
\ply b4c4
\move c3b5 c4a4
\ply h2h4
Nur noch eine Verzweiflungsaktion.
\ply a8b8
\move h4h5 a4a3!
\move h5g6 h7g6
\move d2h6 a3a2
\move e2g4 d7e5
\ply g4h4
Es scheint fast so, als sei Wei"s doch noch zu Angriff gekommen, aber die schwarzen Kr"afte am Damenfl"ugel haben alles sicher im Griff.
\ply a2f2!

\medskip
Wei"s gab auf wegen |27. K*f2, Da2+; 28. Kf1, D*b1+; 29. Kg2, Dc2+; 30. Kh3, Lf6 mit leichtem Gewinn. 28. Ke3 wird mit L*h6 und Sg4+| beantwortet.

\medskip
Alles in allem macht der Plan |12. Sd2 nebst 13. Sc4| keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck.

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{3.~Variante}}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move g1f3 g7g6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 f8g7
\move g2g3 e8g8
\move f1g2 b8d7
\ply h1e1

\smallskip\showboard
\smallskip

Im Unterschied zur zweiten Variante ignoriert Wei"s das Man"over |Sf6-g4-e5| und plant gelegentlich den Durchbruch e4--e5.
\ply f6g4
Am konsequentesten.
\ply e1e2
Die M"oglichkeiten |13. De2 und 13. Dc2| werden anschlie"send in den Partien Hort -- Ermenkov und Kusmin -- Georgadse begutachtet.
\ply d8a5
\ply c1g5
Harding gibt stattdessen die Variante |14. h3, Sge5; 15. S*e5, S*e5; 16. f4, Sc4; 17. Dd3, Da6; 18. b3, Sa3; 19. D*a6, T*a6; 20. e5, Tfb8; 21. Lb2, c4; 22. L*a3, T*a3; 23. Tb1, c*b3; 24. a*b3, T8*b3; 25. T*b3, T*b3; 26. e*d6!, e*d6; 27. Te8+, Lf8; 28. Se4, Kg7; 29. Td8, Te3!; 30. S*d6, L*d6; 31. T*d6, Td3| mit wahrscheinlichem Remis an.
\ply g7c3!
\move b2c3 f7f6
\move g5d2 a5a4!
So verhindert Schwarz sowohl a4 als auch c4.
\ply d2f4
Wei"s will im Falle von |Sge5| beide gegnerischen Springer auf e5 eliminieren.
\ply g6g5
\move h2h3 g4h6!
\move f4e3 h6f7
Soweit die Partie Gawrikow -- Meschkow (UdSSR 1981). Schwarz wird einen Springer "uber e5 nach c4 bringen, |Tfb8| spielen und starken Druck am Damenfl"ugel aus"uben. Seine Stellung ist ein wenig vorzuziehen!

\newgame
\medskip
\centerline{\textbf{Kusmin -- Georgadse}}
\centerline{UdSSR 1972}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move g1f3 g7g6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 f8g7
\move g2g3 e8g8
\move f1g2 b8d7
\move h1e1 f6g4
\move d1c2 d8a5
\move c1d2 f8b8
\ply a2a4?
Da es Wei"s in der Folge nicht gelingt, den Springer auf b5 festzusetzen und eine Blockade am Damenfl"ugel zu errichten, erweist sich der Zug a2--a4 nur als Schw"achung des Feldes b3; besser war |15. Sd1, Db5; 16. Lc3, Sde5; 17. S*e5, S*e5; 18. Te2, c4; 19. a4, Da6; 20. Se3, Tc8; 21. Ta3, Tab8; 22. a5| mit geringf"ugigem "Ubergewicht von Schwarz.
\ply a5b4!
\move h2h3 g4e5
\move f3e5 g7e5!
Auf |17.: S*e5 folgt 18. Sb5!, Dc4; 19. Lc3, Sd3; 20. b3!, S*e1; 21. T*e1, L*c3; 22. b*c4, L*e1; 23. f4, Ta5| und Wei"s ist vor allem wegen des starken |Sb5| im Vorteil.
\move c3d1 b4b3
\move c2b3 b8b3
\move e1e3 e5b2!
\move a1a2 b3e3
\move d1e3 b2d4
\ply e3c4

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply f7f5
Der typische Endspielschlag.
\move e4f5 g6f5
\ply d2g5
Wei"s t"ate besser daran, mit |25. Le3| auf Abtausch und Remis zu spielen.
\ply g8f7
\ply f2f4
Nimmt dem Schwarzen zwar das Feld e5, stellt aber den eigenen L"aufer ins Abseits.
\ply a8b8
\ply c4a5
Schlecht war |27. a5, Tb4; 28. a6?, T*c4; 29. a7, Sb6|
\ply h7h6!
Wehrt sich gegen die Drohung |Sc6 und S*e7| -- auf |28. Lh4| folgt einfach |Lf6; 29. Sc6, Ta8|.
\move g5h6 d7b6
\move a5c6 b8a8
\move g3g4 b6d5
Will nach b4.
\move c6d4 c5d4
\move a4a5 f7g6
\move h6g5 e7e5
\move a5a6 d5e3+
\move g2g1 e5e4
\move g5e7 d4d3
\move e7d6 e3c2
\move g4f5+ g6f7
\move a2b2 d3d2
\move b2b7+ f7g8
und 0--1! Ein sehr lehrreiches Wolga-Endspiel.

\newgame
\medskip
\centerline{\textbf{Hort -- Ermenkow}}
\centerline{Interzonenturnier Tunis 1985}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move g1f3 g7g6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 f8g7
\move g2g3 e8g8
\move f1g2 b8d7
\move h1e1 f6g4
\ply d1e2

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply g4e5
Schlecht w"are hier |13.: Da5?|, weil der g4-Springer nach |14. Sfd2!| wieder nach f6 zur"uck mu"s.
\ply f3d2
Besser war wohl |14. S*e5, S*e5; 15. f4, Sd7| und Schwarz mu"s bei etwaigen Damenfl"ugelaktivit"aten immer den Durchbruch e4--e5 im Auge behalten.
\ply d7b6
R"aumt d7.
\move f2f4 e5d7
\move d2f3 b6a4!
Ein typisches Man"over: Die wei"sen Verteidigungsfiguren am Damenfl"ugel werden abgetauscht oder zur"uckgedr"angt.
\ply c3d1
Oder |17. S*a4, T*a4; 18. e5, Sb6 nebst Da8| mit Druck auf a2 und d5.
\ply a8a7!!
Idee |Da8|, siehe vorige Anmerkung.
\move a1b1 d8a8
Durch geschicktes Spiel hat Ermenkow den Vorsto"s e4--e5 entwertet.
\move e2c2 a4b6
\move a2a3 e7e6!
Angriff im Zentrum und auf der Diagonalen h1--a8!
\move d5e6 f7e6
\move d1f2 d6d5
\move e4e5 b6c4
\move e1e2 f8b8
\move f2d3 a7b7
Droht |S*a3 oder Tb3| -- die wei"se Reaktion ist erzwungen.
\move b2b4 g7f8!
\move c2a2 b7a7
\move a2c2 b8c8
Mit der Drohung |c*b4 nebst Sa3 oder Se3+|.
\move c2d1 d5d4
Diagonal"offnung.
\move b1b3 c5b4
\ply d3b4
Auf |31. a*b4 folgt Ta1!|
\ply d7c5
\move b3b1 d4d3
Mit der Idee |33. S*d3, Td8!|
\move e2a2 c8d8
\move g2h3 c5e4
Wei"s wird grausam hingerichtet.
\move d1b3 d3d2
\move c1d2 c4d2
\move b3e6+ g8h8
\ply a2d2
|38. S*d2 scheiterte an Sf2+; 39. Kh4, Le7+|.
\ply e4d2
\move f3d2 f8b4
\move d2e4 b4e7
\move e4d6 e7d6
\move e6f6+ h8g8
\move e5d6 a8c8
\move h3h4 a7a5
\move g3g4 d8f8
\move f6d4 c8c5
und Hort gab auf.

\medskip
An dieser Partie wird anschaulich die Ideenvielfalt des Wolga-Gambits dargestellt. Schwarz ist offenbar keineswegs darauf beschr"ankt, nur am Damenfl"ugel zu agieren; ein Angriff im Zentrum oder gar am K"onigsfl"ugel kann durchaus ebenfalls ein folgerichtiger Plan sein, wenn sich Wei"s zuvor entsprechend geschw"acht hat.

\bigskip  %HALLO TORBI! ICH HAB DAS SCHON EIN STšCK GESCHRIEBEN, MOVES FEHLEN!
\newgame
\centerline{\textbf{4.~Variante}}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 g7g6
\move g1e2 f8g7

\smallskip\showboard
\smallskip

Die Entwicklung des K"onigsspringers nach e2 bringt f"ur Wei"s einige Vorteile mit sich: Springer c3 ist zuverl"assig gedeckt, so da"s man oft den wichtigen Zug b2-b3 spielen kann -- au"serdem mu"s sich Wei"s nicht mehr vor dem Abtauschman"over |Sb8-d7-b6-a4*c3| f"urchten. Desweiteren ist der f-Bauer beweglich, wodurch Wei"s eher als in den Varianten mit |Sf3| zu f2-f4 und Spiel im Zentrum kommen kann. Au"serdem ist der schwarze Zug f5 immer gef"ahrlich, solange der wei"se Springer "uber f4 nach e6 gelangen kann. Der Zug |Sge2| hat aber auch einen Nachteil: das Man"over |Sf3-d2-c4| entf"allt und Schwarz kann seine Dame bequem auf a5 oder b6 postieren. Da Wei"s nur verminderten Druck auf den Bauern d3 aus"ubt, wird der Nachziehende in der Lage sein, mittels e7-e6 das Zentrum aufzubrechen!
\ply h2h3!
Die beste Idee f"ur Wei"s -- ein Angriff auf der K"onigsflanke mittels |10. Sf4, 0-0; 11. g4?!, Dc8; 12. f3, Da6+; 13. Kg2, Sbd7; 14. g5, Se8| nebst |Se5| usw. sieht sehr unsolide aus. Wenn Wei"s seinen K"onig nach g2 bringen will, ist der schwarze Zentrumsschlag e7-e6 beizeiten noch st"arker, z.B.: |10. g3, 0-0; 11. Kg2, Db6| -- "uberdeckt den Bauern d6 -- und nun nicht |12. Dc2, Sa6!; 13. a4, Sb4; 14. Db1, Sd7| wonach Schwarz die deutlich besseren Chancen hat, sondern |12. Tb1, Sa6; 13. b3, Sc7; 14. f3| -- da Wei"s dem Gegner im n"achsten Zug die f-Linie "offnen wird, verhindert dieser Bauer vorsichtshalber den Ausfall |Sg4| und bereitet |Le3| vor -- |14:e6!; 15. d*e6, f*e6; 16. Le3, Dc6; 17. b4!, c*b4; 18. T*b4, d5; 19. Tb6, Dc4; 20. Db3| -- ein Reinfall w"are |20. Dd4| wegen |Sg4!| -- |20: Dd3| und laut Benk"o sind die Chancen gleich -- meines Erachtens ist die wei"se Position bereits kritisch.
\ply e8g8
\move f1g1 d8b6
Auch hier plant Schwarz |Sa6-c7 nebst e7-e6|.
\move a1b1! b8a6
\ply c1e3!
Nun sieht man, warum |10. h3| ein Rufzeichen verdient: der Ausfall |Sg4| ist verhindert und Schwarz kann nicht |Sc7| ziehen, wegen b2-b4 mit wei"ser Gewinnstellung!
\ply f8b8
\move g1h2 b6b4
Bedroht e4, auf |15. a3| w"urde einfach |Db3!| folgen.
\move d1c2 a6c7
Auch |Db7| ist erw"agenswert.

\smallskip\showboard
\smallskip

Und hier wartet die \textbf{erste Analyseaufgabe:}
Wie lauten die beiderseitigen Pl"ane f"urs Mittelspiel, welche Varianten k"onnen entstehen, wer hat die besseren M"oglichkeiten? (Tip: Theorieb"ucher geben keine Auskunft!)

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{5.~Variante}}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 g7g6
\move g2g3 f8g7
\move f1g2 e8g8
\ply f2f4

\smallskip\showboard
\smallskip

Wei"s plant eine fr"uhzeitige Zentrumsinitiative.
\ply b8a6
Auch |11.: Sbd7| ist gut.
\move g1f3 d8b6
\ply h1e1
|13. e5 |betrachten wir in der Partie Voiculescu -- Ghinda.
\ply f8b8
Auch |13.: Sb4| wurde schon erfolgreich angewandt.
\move e1e2 a6b4
\ply c1e3
Verhindert c5--c4 nebst |Sb4-d3|.
\ply b6a6
\move e2d2 a6c4!
\move d1f1 c4f1+
\move g2f1 f6d7
Nachdem Schwarz zum Damentausch gekommen ist, kann er ungehindert am Damenfl"ugel vorgehen. In einer Partie Gerusel -- Markland, Wijk an Zee 1973, folgte |19. e5, Sb6; 20. b3, Ta3; 21. Te1, Tba8; 22. Tee2, Sc4!| mit schwarzem Vorteil.

\medskip
\newgame
\centerline{\textbf{Voiculescu -- Ghinda}}
\centerline{Rum"anien 1973}

\medskip
\move d2d4 g8f6
\move c2c4 c7c5
\move d4d5 b7b5
\move c4b5 a7a6
\move b5a6 c8a6
\move b1c3 d7d6
\move e2e4 a6f1
\move e1f1 g7g6
\move g2g3 f8g7
\move f1g2 e8g8
\move f2f4 b8a6
\move g1f3 d8b6
\ply e4e5

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply f6e8!
Deutlich schw"acher w"are |13.: d*e5; 14. f*e5, Sg4; 15. De2|.
\move d1e2 e8c7
\ply h1d1?
Ein Fehler, besser war wohl |15. Ld2|.
\ply a6b4
\move c1e3 b6b7
\move e3f2 d6e5
\move f4e5 b4d5
\move f2c5 f8c8
\ply c3e4
Ebenso schlecht war |20. S*d5, S*d5; 21. Ld4, Sb4; 22. a3, Sc2| usw.
\ply c7e6
\ply d1d5
Es drohte |Sf4+ und S*c5|. Auf |21. Le3 folgt 21.: Tc2!; 22. Td2, D*b2| usw.
\ply b7d5
\move c5e7 a8a2
\ply a1e1
Auf |23. Td1 folgt T*b2!|
\ply a2a4
\move g2g1 e6d4
\move e2d1 a4a1!
Wei"s gab auf.

\bigskip
\centerline{\textbf{6. Variante}}

\medskip
\newgame
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move e2e4  a6f1 
\move e1f1  g7g6 
\ply  g2g4

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Ein "ubereilter Angriffsversuch, gegen den sich Schwarz aber genau verteidigen
mu"s.
\ply        f8g7 
\ply  f2f3 
|10. g5| steht anschlie"send in der Fernpartie Baumbach -- Despotovic zur Debatte.
\ply        e8g8 
\move g1e2  e7e6!
Der richtige Plan -- Schwarz kontert den Fl"ugelangriff im Zentrum.
\move f1g2  e6d5 
\move c3d5  b8c6 
\ply  e2c3 
Nicht |14. Lg5?, S*d5!|
\ply        f6d5 
\move e4d5  c6b4 
\move h2h4  f7f5 
Wei"s sollte nun |17. Lg5| mit geringem Stellungsnachteil fortsetzen. In der
Partie Visier -- Benk"o, Malaga 1969, folgte stattdessen |17. g5, c4; 18. a3, Sd3|
 mit klarem schwarzem Vorteil.

\medskip
\newgame
\centerline{\textbf{Baumbach -- Despotovic}}
\centerline{Fernpartie 1981}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move e2e4  a6f1 
\move e1f1  g7g6 
\move g2g4  f8g7 
\move g4g5  f6h5 
\move g1e2  d8c8 
\move f1g2  c8g4+
\move e2g3  h5f4+
\move c1f4  g4f4 
\move h2h4  e8g8 
\ply h1h3

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply  g7c3!
In einer Partie Knaak -- Pokojowczyk folgte stattdessen fehlerhaft |16.: Sa6?,
17. Sge2!, Dg4+; 18. Tg3, Dd7; 19. h5, c4?; 20. Dh1, Tfb8; 21. h*g6, h*g6; 22.
Dh4, Sc5; 23. Th1 Sd3; 24. Tgh3, f6; 25. Dh7+|, und Schwarz mu"ste bereits aufgeben.
\move b2c3  f7f6! 
Schwarz verschafft dem eigenen K"onig Luft und "offnet Linien gegen den feindlichen.
\move d1e2  f6g5 
\move h4g5  b8d7 
\move a2a4  d7e5 
\move g3f1  c5c4!
\move e2e3  e5d3 
\move a1a2  f4e5 
\move h3f3  f8f3 
\move g2f3  e5c3 
Nach |16.: L*c3 und 17.: f6| ist der wei"se Angriff kl"aglich gescheitert und
hat im eigenen Lager entscheidende Schw"achen hinterlassen.
\move f3g2  c3b3 
\move a2a1  b3b2 
\move a1d1  a8a4 
\move d1d2  b2e5 
\move f1h2  a4a3 
Wei"s gab sich geschlagen.

\bigskip
\centerline{\textbf{7. Variante}}

\medskip
\newgame
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\ply  f2f4

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Wei"s will fr"uhzeitig im Zentrum aktiv werden; er plant einen Aufbau mit
|f2-f4, Sf3, e2-e4, und auf L*f1| soll der K"onigsturm zur"uckschlagen. Der
K"onig wird sp"ater "uber f2 nach g1 gebracht.
\ply        g7g6 
\move g1f3  f8g7 
\move e2e4  a6f1 
\move h1f1  e8g8
M"oglich ist auch |10.: Db6, was Kf2| verhindern soll. Wei"s antwortet darauf
am besten |11. Sd2!|
\ply  e4e5 
Wahrscheinlich ein Fehler. Die Alternative ist |11. Kf2, Db6; 12. Kg1, Sbd7;
13. De1, Db7!| -- durch Druck auf d5 will Schwarz den Durchbruch e4--e5 erschweren
-- |14. Ld2, c4; 15. e5, d*e5; 16. f*e5, S*d5| -- das w"are nicht m"oglich
gewesen, h"atte Schwarz im 14. Zug auf b2 gefressen -- |17. e6, Db6+; 18.
Kh1, D*e6; 19. Dh4, S5f6; 20. Tae1, Dg4; 21. D*g4, S*g4; 22. T*e7, Sge5|,
und Schwarz macht bei materieller Gleichheit weiterhin Druck am Damenfl"ugel.
\ply        d6e5 
\move f4e5  f6g4 
\move c1f4  b8d7 
\move d1e2  d8b8 
Schwarz dr"uckt unerbittlich gegen e5. In der Partie \textbf{Murai -- Gurewitsch}
(Hastings 82/83) kam Wei"s nun auf einen originellen Gedanken:
\ply  e1c1?!
Das ist im Wolga-Gambit so gut wie nie anzutreffen.
\ply        b8b4
Auf |15.: Sg*e5; 16. Kb1! nebst Tfe1| steckt der schwarze Springer in einer unangenehmen Fesselung. 
\move g2g3  f8b8 
\move d1d2  d7b6 
Neue Motivation f"ur das Spiel am Damenfl"ugel!
\move e5e6  f7f5!!
Ein wohldurchdachtes Opfer.
\move f4b8  b6c4!
\ply  d5d6 
Das verliert zwingend. Auszuhalten war vielleicht noch |20. Le5, Sg*e5,
21. S*e5, L*e5|, obwohl der Druck am Damenfl"ugel dem Schwarzen auch hier
Vorteil bietet.
\ply        g7c3!
Sonst folgt eventuell |Sd5|.
\move d6e7  c3d2+
\move e2d2  b4b8!
\move d2c3  a8a2 
\move e7e8D+ b8e8 
\move c3c4  a2a4!
\move c4d3  e8e6 
\move c1d2  g4h2!
\ply  d3d8+
Auf |28. S*h2? folgt einfach Td4!|
\ply        g8g7 
\move d8c7  g7h6 
\move f1h1  e6d5 
\move d2c2  a4c4+
\hspace{1cm}0--1

\bigskip
\centerline{\textbf{8. Variante}}

\medskip
\newgame
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g1f3  g7g6 
\ply  f3d2

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Wei"s beabsichtigt nach |9. e4, L*f1| mit dem Springer auf f1 wiederzunehmen
und denselben anschlie"send "uber e3 nach c4 zu f"uhren; damit bleibt das
Rochaderecht erhalten.
\ply        d8a5!

\smallskip\showboard
\smallskip

Durchkreuzt die wei"sen Absichten, weil |9.e4, L*f1; 10. S*f1? mit S*e4| beantwortet wird.
\ply  e2e4 
Die M"oglichkeit 9. f3 zur Vorbereitung von e2--e4 betrachten wir anhand der
Partie Kiwlan -- Tschigoridse, 9. g3 mit der Absicht |10. Lh3| ist das Thema
in Szabo -- Bronstein, siehe weiter unten.
\ply        a6f1 
\move e1f1  f8g7 
\move g2g3  b8d7 
\move d2c4  a5a6 
\move d1e2  e8g8 
\move f1g2  f8b8 
Bereitet |Sb6| mit Damentauschabsicht vor. Nach |15. Ld2 oder 15. The1| landen
wir unter Zugumstellung in der zweiten Variante!

\medskip
\centerline{\textbf{Kiwlan -- Tschigoridse}}
\centerline{UdSSR 1972}

\medskip
\newgame
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g1f3  g7g6 
\move f3d2  d8a5 
\move f2f3  f8g7 
\move e2e4  a6f1 
\move d2f1  e8g8 
\move f1e3  b8d7 
\move e1g1  f8b8

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Beide Seiten haben ihre Aufbaupl"ane verwirklicht; es steht ein interessantes
Mittelspiel bevor.
\move f1f2  f6e8 
\move f2c2  e8c7 
\move e3c4  a5a6 
\move d1e2  c7b5 
\move c3b5  a6b5 
\move c1g5  g8f8 
\move g5f4  g7d4+
\move f4e3  d4g7 
\move f3f4  d7b6!
Das typische Verfahren: Schwarz tauscht ins Endspiel ab, wo er trotz des
Minusbauern gute Chancen hat.
\move c4b6  b8b6 
\move e4e5  b5e2 
\move c2e2  b6a6 
\move a2a3  a8b8 
\move a1d1  b8b3 
\move e3f2  a6b6 
\ply  d1d2 
Wei"s h"alt den Mehrbauern fest, steht aber sehr passiv.
\ply        f7f6 
\move f2g3  f6e5 
\move f4e5  g7h6 
\move d2c2  h6e3 
\move g3f2  e3g5 
\move g2g4  g5f4 
\move e5d6  e7d6 
\move g1g2  f8f7 
\move f2g3  f4g3 
\move h2g3  b3d3 
\move e2f2+ f7g7 
\move f2d2  b6b3 
\move d2d3  b3d3 
\move b2b4  c5b4 
\move a3b4  d3b3!
\move c2c6  b3b4 
\move g2h3  g6g5 
\move c6d6  b4b2 
\hspace{1cm}remis

\bigskip

\bigskip

\bigskip

\bigskip
\centerline{\textbf{Szabo -- Bronstein}}
\centerline{UdSSR 1971}
\centerline{(St"adtekampf Budapest -- Moskau)}

\medskip
\newgame
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g1f3  g7g6 
\move f3d2  d8a5 
\move g2g3  b8d7 
\ply  f1h3

\smallskip\showboard
\smallskip
 
So verhindert Wei"s das Man"over |Sf6-g4-e5|, au"serdem ist e7--e6 f"ur lange Zeit
unm"oglich.
\ply        f8g7 
\move e1g1  e8g8 
\move d1c2  c5c4 
So wird Wei"s entmutigt, seinen e-Bauern zu ziehen -- Schwarz h"atte dann immer
die Antwort |Sc5-d3| parat.
\move f1d1  d7b6 
\move h3g2  a6b7 
Schwarz dr"uckt konsequent gegen den Bauern d5 -- eine der Grundideen von 3. b7--b5!
 In Betracht kam aber auch |14.: Tfb8|.
\ply b2b4!

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply c4b3e.p.
|15.: D*b4| gefiel Bronstein nicht wegen |16. Tb1, Dc5; 17. Tb5, Dc7; 18. Db1, Ta6;
19. a4, La8; 20. a5, Sbd7; 21. Db4|, und das schwarze Spiel am Damenfl"ugel
ist im Keime erstickt.
\move d2b3  a5a6 
\move e2e4  f8c8 
\move g2f1  a6a7 
\move b3d4  a7a5 
\move c1d2  a5c5 
\move d4b3  c5a3 
mit Remis. Die Stellung ist nat"urlich noch lange nicht ausgek"ampft. Die Cancen
d"urften ungef"ahr gleich sein.

\bigskip
Abschlie"send kann gesagt werden, da"s Schwarz in den Varianten, in denen Wei"s
|L*f1| zul"a"st, durch eine rasche Mobilisierung und das Ausnutzen der
Felderschw"achen im gegnerischen Lager gleichwertige, oft sogar bessere, Chancen
erh"alt. Mehr Schwierigkeiten warten auf den Nachziehenden, wenn Wei"s seinen
K"onigsl"aufer fianchettiert. Das ist Thema des 2. Teils!
\end{multicols}

\newpage
\markboth{Wie spielt man das Wolga-Gambit?}{Wei"s fianchettiert den K"onigsl"aufer}
\section{Wei"s fianchettiert den K"onigsl"aufer}
\label{b}
\newgame
\begin{multicols}{2}

\centerline{\textbf{1. Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g2g3  g7g6 
\move f1g2  f8g7 
\move g1f3  b8d7 
\move e1g1  d7b6 
Eine grunds"atzlich andere Methode ist |10.: 0-0|. Mit dem Textzug "ubt Schwarz
fr"uhzeitigen Druck auf d5 aus, wodurch die wei"se Umgruppierung |Dc2 nebst
Tfd1| verhindert wird. Ein Nachteil dieser Zugfolge ist, da"s die schwarze Dame
nicht auf ihr Idealfeld a5 gelangt, sondern weniger aktiv auf c7 Platz nehmen
mu"s.

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply  f1e1 
Wei"s will seinen e-Bauern aktivieren. Eine andere Idee besteht in |11. Sd2|,
wonach der |Lg2| den Bauern d5 "uberdeckt und somit wieder |Dc2 nebst Tfd1|
erm"oglicht. Es k"onnte folgen: |(11. Sd2), Ta7| (Schwarz will seine Dame auf
a8 postieren, von wo aus sie sowohl auf der a-Linie als auch auf der langen
Diagonalen a8-h1 Druck aus"ubt.) |12. Dc2, Da8; 13. Td1, 0-0; 14. Sf1, Tfb8;
15. b3, Sbd7; 16. Tb1, Se8; 17. Ld2, Sc7; 18. a4, Tab7; 19. Se3, Ld4; 20. h3, Se5;
21. Kh2, Da7; 22. f4, Sd7; 23. Lf3, Sf6; 24. Kg2, Te8; 25. Sc4, L*c4; 26. b*c4,
T*b1; 27. T*b1, Ta8; 28. Ta1, Sd7; 29. a5, Lg7; 30. Ta3, Sa6; 31. Sb5, Db8;
32. Db3, Dd8|; und in der Partie van der Sterren -- Miles hatte Wei"s immer
noch seinen Mehrbauern, aber keinen Plan, wie er diesen verwerten soll; die
Stellung ist v"ollig unklar!

Wichtig zu erw"ahnen ist auch noch der Zug |11. Tb1|, womit Wei"s die
Umgruppierung |b3, Lb2 und Dc2| plant, um den |Lg7| zu neutralisieren. Hier stellt
sich die \textbf{2. Analyseaufgabe:}

 Welche Varianten k"onnen sich ergeben, wenn Schwarz
|11. Tb1| mit dem theoretisch unbekannten Zug |11.: Lc4| beantwortet? Wie ist
der Wert von |11.: Lc4| einzusch"atzen?
\ply        e8g8 
\ply  f3d2 
Das konsequente |12. e4| erleben wir in der Partie Janosevic -- Despotovic.
\ply        d8c7 
\ply  a1b1 
Interessant ist |13. Sf1, Sg4; 14. Dc2, Sc4; 15. h3, Sge5; 16. Td1, Da5| mit
leichtem Schwarzvorteil; in der Partie Awerkin -- Alburt (1974) folgte bezeichnend
|17. a3, Tfb8; 18. Ta2, Db6; 19. f4, Sd7; 20. Kh2, Db3| mit gro"sem Druck am
Damenfl"ugel.
\ply        c7b7
Nun ist e2--e4 wegen |Ld3!| schlecht, ebenso |Sb3 wegen Lc4!| -- wie soll Wei"s also d5 decken? In der Partie \textbf{Hort -- Alburt} (Decin 1977) entschied sich Hort f"ur das folgende Bauernopfer:
\move b2b3  f6d5 
\move c3d5  b6d5

\smallskip\showboard
\smallskip
 
\ply  d2f1?
Wei"s spekulierte auf |16.: e6; 17. Lb2| mit leichtem Stellungsvorteil. Um die folgende
"Uberraschung zu vermeiden, h"atte er |16. Se4, Tad8; 17. Lb2, L*b2; 18. T*b2,
Db4| mit etwas besseren Chancen f"ur Schwarz spielen m"ussen.
\ply        d5c3!
\move g2b7  a6b7 
\ply  d1d3 
Wei"s ist zu erstaunt, um richtig zu reagieren, besser war |18. Dd2, S*b1;
19. De3, Tfe8.|
\ply        b7e4 
\move d3e3  g7d4 
\move e3h6  e4b1 
\move a2a3  b1a2 
\ply  f1d2? 
b3--b4 war dringend notwendig.
\ply        f8b8 
\move b3b4  c5b4 
\move a3b4  b8b4 
Bei ungef"ahrer materieller Gleichheit hat Schwarz den Gegner am Damenfl"ugel
einfach "uberrollt.
\move d2f3  d4g7 
\move h6h3  g7f6 
\ply  h3f1 
Ein kurioser Zug, aber was sollte Wei"s gegen die Drohung |Lc4| unternehmen?
Schlecht war auch |27. Lg5, S*e2!; 28. T*e2, Tb1+; 29. Kg2, Lc4; 30. Te1, T*e1;
31. S*e1, L*g5; 32. Dg4, Ld5+|.
\ply        a2c4! 
\move g1g2  a8a1 
\move f3g1  b4b1 
\ply  g2h3 
Man mu"s schon ein Masochist sein, wenn man eine solche Stellung weiterspielt.
\ply        h7h5 
\move f2f4  c4e6+
\move h3g2  c3d5 
\move g2f3  f6c3 
\move e1d1  c3b2 
Und da wurde es auch dem guten Vlastimil zuviel: 0--1!

\medskip
\newgame
\centerline{\textbf{Janosevic -- Despotovic}}
\centerline{Smedervskaja Palanka 1977}

\medskip
\move d2d4  g8f6
\move c2c4  c7c5
\move d4d5  b7b5
\move c4b5  a7a6
\move b5a6  c8a6
\move b1c3  d7d6
\move g2g3  g7g6
\move f1g2  f8g7
\move g1f3  b8d7
\move e1g1  d7b6
\move f1e1  e8g8
\ply  e2e4
Der Zug e2--e4 pa"st eigentlich nicht zum Fianchettol"aufer auf g2. Wenn Wei"s nicht
bald zu e4--e5 kommt, kann sich dieser Umstand negativ auswirken.
\ply        f6d7
\move d1c2  b6c4
\move c1f4  d8a5
droht |S*b2|
\move a1c1  f8b8
Die schwarzen Figuren stehen ideal: Sie verhindern einerseits e4--e5 und zwingen Wei"s andererseits st"andig zu Verteidigungsz"ugen am Damenfl"ugel. Es droht erneut der Einschlag auf b2.
\move b2b3  c4a3
\move c2d2  c5c4
Schwarz hat das Er"offnungsduell gewonnen.
\move c3a4  a6b5
\move d2a5  a8a5
\move a4c3  c4b3
\move a2b3  b5a6
\move e4e5! d6e5
\move f3e5  d7e5
\move f4e5  b8b3
\move e5g7  g8g7

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply  c3e4! 
Nicht |26. T*e7?? wegen 26.: Tc5!; 27. Te3, Sb5; 28. Se2, T*c1+| usw.
\ply        a3c4
\move g2f1  b3b4
\move c1a1  a5a1
\ply  e1a1
Durch umsichtiges Spiel hat Wei"s die Partie gerade noch gerettet! Die Gegner
einigten sich hier auf Remis.

\smallskip
An diesem Beispiel wurden die Schattenseiten des wei"sen L"auferfianchettos deutlich: Der schwarze L"aufer auf a6 hat keinen Gegenspieler am Damenfl"ugel und erm"oglicht es den schwarzen Springern, sich auf c4 einzunisten.

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{2. Variante}} 

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g2g3  g7g6 
\move g1f3  f8g7 
\move f1h3  b8d7

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Der L"aufer auf h3 verhindert das Man"over |Sf6-g4-e5| und bel"astigt nebenbei st"andig
den |Sd7|.
\move e1g1  d7b6 
Hier ist dieser Plan noch logischer, da d5 einmal weniger gedeckt ist.
\move f1e1  e8g8 
\ply  c1f4 
Sehr zu beachten ist sofortiges e2--e4, z.B.: |12. e4, Sfd7; 13. Dc2, Sc4; 14. Lf4
(st"arker ist 14. L*d7!|, siehe die Partie Beljawski -- Palatnik), |14.: Sde5;
15. L*e5, S*e5; 16. S*e5, L*e5; 17. Lf1, Da5; 18. L*a6, T*a6|, und Schwarz steht
deutlich besser.
\ply        b6c4 
\ply  d1c1 
Auf |13. b3 folgt Sh5|. Wei"s m"ochte gern |Lh6| spielen, doch dazu kommt es nicht.
\ply        d8a5 
\move a1b1  f8b8 
\move f3d2  f6e8!
\move d2c4  a6c4 
Laut Gufeld steht Schwarz hier schon etwas besser!

\medskip
\newgame
\centerline{\textbf{Beljawski -- Palatnik}}
\centerline{Kiew 1978}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g2g3  g7g6 
\move g1f3  f8g7 
\move f1h3  b8d7 
\move e1g1  d7b6 
\move f1e1  e8g8 
\move e2e4  f6d7 
\move d1c2  b6c4 
\ply  h3d7!
Auf Kosten seines Fianchettol"aufers unterbindet Wei"s die Zusammenarbeit der
gegnerischen Springer.
\ply        d8d7 
\ply  b2b3

\smallskip
\showboard
\smallskip
 
\textbf{Analyseaufgabe Nr.~3:} Was ist von |15.: Dg4| zu halten? Varianten,
Stellungsbewertung!
\ply        c4e5 
\move f3e5  g7e5 
\ply  c1b2 
Wei"s steht nun etwas besser.
\ply        f8d8 
\move c3d1  e5b2 
\move d1b2  d7b7 
\move e1e3  a6b5 
\move b2d1  b5d7 
\move e3c3  a8a3 
Schwarz muss versuchen, die wei"sen Damenfl"ugelbauern zu blockieren.
\move d1e3  d7b5 
\move c2b2  d8a8 
\move e3c2  a3a7 
\move c2e3  a7a3 
\move e4e5! d6e5 
\move c3c5  f7f6 
Der wei"se Vorteil hat konkretere Formen angenommen.
\move e3c2  a3a5 
\move c2b4  b5e8 
\move c5a5  a8a5 
\move b2c3  a5b5 
\ply  a2a3 
Im 33. Zug der erste Schritt nach vorn, doch wenn Schwarz nichts unternimmt, werden
die Bauern bald nicht mehr zu halten sein.
\ply        e8f7 
\move a1d1  g8g7 
\move c3c4  g6g5 
\move h2h4! h7h6 
\move h4g5  h6g5 
\move d1d3  f6f5 
\move d3e3  e5e4 
\move c4d4+ g7g6 
\ply  g3g4!
Nun zeigt sich, dass die schwarzen Besch"aftigungsma"snahmen am K"onigsfl"ugel nur
zum eigenen Schaden waren.
\ply        f7d5 
\move g4f5+ g6f5 
\ply  e3g3 
Idee |Dg7|
\ply        e7e5 
\move d4d1  f5f6 
\move d1d2  e4e3 
\move d2e3  b7g7 
\move b4d5  b5d5 
\move e3b6+ f6f5 
\move g3f3+ f5g4 
\move g1g2  g7e7 
\ply  b6h6 
|Dh3+ matt| ist unabwendbar.

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{3.~Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g2g3  g7g6 
\move f1g2  f8g7 
\ply  g1h3

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Dieser Springer strebt nach f4 und zu Verteidigungszwecken eventuell weiter nach
d3; denkbar ist auch das Man"over |Sh3-g5-e4|. Weitere Vorteile des Aufbaus sind:
Wei"s kann ohne Zeitverlust f2--f4 spielen und der Fianchettol"aufer hat freien Blick
auf das Sorgenkind d5.
\ply        e8g8 
\move e1g1  b8d7 
\ply  d1c2 
Den Zug |11. f4| untersuchen wir anschlie"send in der Partie Darzinek -- Schereschewski,
eine weitere M"oglichkeit besteht in |11. Ld2|, z.B.: |11.: Db6; 12. Tb1, Tfb8; 13. b3,
Se8; 14. Dc2, Sc7; 15. a4 (verhindert Sb5), Se5| mit leichtem schwarzen Vorteil, da die
wei"sen e- und f-Bauern vorerst unbeweglich bleiben.

\ply        d8a5 
\ply  c1d2 
Interessant ist der Versuch, mit |12. Lg5| das Man"over |Sf6-e8-c7| zu verhindern, z.B.:
|12.: Tfb8; 13. Tfe1, Ta7!; 14. Tab1, Tab7; 15. Ld2, c4!; 16. b4, c*b3 e.p.; 17. T*b3,
Lc4; 18. T*b7, T*b7; 19. Sg5, Da6; 20. Tc1, Tb8; 21. Lh3| wie in Denker -- Benk"o,
Los Angeles 1969. Schwarz h"atte nun |21.: Sb6| mit den Ideen |22. Tb1, Ta8!| und
|22. e4?, h6; 23. Sf3, Ld3| spielen sollen. Der Druck auf die Bauern a2 und e2 sichert
ihm in jedem Fall das bessere Spiel.
\ply        f8b8 
\move f1b1  a5c7 
\move h3f4  c5c4 
\move h2h4  h7h5 
\move c3e4  f6g4!
\move d2c3  d7e5 
\ply  e2e3 
Wei"s will f3 vorbereiten.
\ply        a6b5 
\move c3d4  b5a4 
In einer Partie Feuerstein -- Fedorowicz hatte Schwarz die etwas besseren Aussichten
(New York 1976).

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{Darzinek -- Schereschewski}}
\centerline{UdSSR 1972}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move b1c3  d7d6 
\move g2g3  g7g6 
\move f1g2  f8g7 
\move g1h3  b8d7 
\move e1g1  e8g8 
\ply  f2f4?
Das ist verfr"uht.
\ply        d8c7 
\move d1c2  f8b8 
\move h3g5  f6g4!
\move f1e1  g4h6 
Der wei"se Traum von einem K"onigsangriff mittels f4--f5 ist ausgetr"aumt.
\move c1d2  c5c4 
\move a1b1  c7a7+
\move g1h1  h6f5 
\move c2c1  d7f6 
\move g5f3  f6g4 
\move c3d1  a6b5 
\ply  e2e4?
Ein letzter Missgriff.
\ply        b5a4!
\move e4f5  a4d1 
\move d2e3  g4e3 
\move c1e3  a7e3 
\move e1e3  d1c2 
\move b1c1  b8b2 
\move f5g6  h7g6 
\move f3e1  a8a2 
\move e3e7  c2b3 
\move e7e8  g8h7 
\move h2h4  c4c3 
\move h4h5  b3d5 
\hspace{1cm}0--1

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{4. Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move g2g3  d7d6 
\move f1g2  g7g6 
\ply  b2b3

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Wei"s hat |Sc3| bewusst zur"uckgehalten, um dem schwarzen |Lg7| einen gleichwertigen
Gegner gegen"uberzustellen. Dieses Doppelfianchetto ist eines der unangenehmsten
Systeme f"ur Schwarz im ganzen Variantenkomplex des Wolgagambits.
\ply        f8g7 
\move c1b2  b8d7 
\ply  g1h3!
Inkonsequent w"are |Sf3|, weil Schwarz durch Druck auf den Bauern d5 irgendwann doch
|Sc3| erzwingen w"urde.
\ply        e8g8 
\move e1g1  a8a7 
Schwarz plant eine Aufstellung mit |Da8 und Tfb8|. Ein Leitmotiv der Variante ist, dass
die schwarze Dame auf a5 nichts zu suchen hat, da sie im entscheidenden Moment immer
durch |Lb2-c3| vertrieben werden kann!
\ply  d1d2 
Auf |12. Sf4| ist das Qualit"atsopfer |12.: S*d5; 13. L*g7, S*f4; 14. L*f8, S*e2+;
15. Kh1, D*f8; 16. Te1, Sd4| gut spielbar, |12. Te1| erleben wir in der Partie
Gheorghiu -- Beljawski.
\ply        d8a8 
\move b2c3  f8b8 
\move f1c1  a6c8 
\move e2e4  c5c4!
Um zu Gegenspiel zu kommen, muss Schwarz noch einen zweiten Bauern geben.
\ply  b3c4 
Auf den thematischen Vorbeizieher |16. b4| hatte Schwarz |16.: Se5; 17. L*e5, d*e5;
18. T*c4, Se8| mit der Idee |Sd6| vorbereitet; aufgrund der wei"sen Entwicklungsschwierigkeiten
und der mangelnden Figurenkoordination sind dann, trotz zweier Minusbauern, die Chancen
des Nachziehenden vorzuziehen!

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply        d7c5 
In einer Partie M"ohring -- Knaak (DDR 1977) hatte Schwarz mit den Drohungen |L*h3 und S*e4| ausreichende Konterchancen.

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{Gheorghiu -- Beljawski}}
\centerline{Moskau 1982}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5a6  c8a6 
\move g2g3  g7g6 
\move b2b3  f8g7 
\move c1b2  d7d6 
\move f1g2  e8g8 
\move g1h3  b8d7 
\move e1g1  a8a7 
\move f1e1  d8a8 
\move e2e4  f8b8 
\ply  b2c3

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Mit diesem Zug beabsichtigt Wei"s, c5--c4 mit b3--b4 zu beantworten.
\ply        f6e8
Auch |14.: Se5| mit der Idee |15. L*e5, d*e5; nebst Sf6-e8-d6| war spielbar. 
\move c3g7  e8g7 
\move b1d2  d7e5 
\ply  h3f4 
Auf |17. f4 folgt 17.: Sd3!; 18. Te3, Lb5,| und dem schwarzen Springer ist das
R"uckzugsfeld b4 gesichert.
\ply        a6b5!
Nach dem Abtausch der Schwarzfelder kann der Nachziehende ungehindert Druck am Damenfl"ugel machen -- eine Methode, die nicht gerade typisch f"ur das Wolga-Gambit ist!
\ply  a2a4?
Eine weitere Schw"achung.
\ply        b5a6 
\move d2f3  e5f3+
\move d1f3  b8b4!
\move h2h4  a7b7 
\move e1e3  a8b8

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Eine sch"one Demonstration.
\move a1a3  g7e8 
Da die wei"sen Figuren nichts unternehmen k"onnen, macht sich der Springer auf den langen Weg
nach e5.
\move g2f1  a6f1 
\move g1f1  e8f6 
\move f1g2  h7h5 
\ply  a4a5?!
Wei"s verliert allm"ahlich die Nerven; besser war wohl |Se2|.
\ply        f6g4 
\move e3c3  b7a7 
\move f3e2  b8a8 
\move f4d3  b4b8 
\move f2f3  a7a5 
\move a3a5  a8a5 
\move c3c4  g4f6 
\ply  b3b4 
Eine Notl"osung -- beide Spieler kamen jetzt in Zeitnot.
\ply        c5b4 
\move e2d2  f6d7 
\move c4b4  b8c8 
\move b4b2  a5a4 
\move b2a2  a4c4

\smallskip\showboard
\smallskip
 
\ply  d3b4?
Mit |39. Tb2| konnte Wei"s wohl den halben Punkt festhalten.
\ply        c8b8 
\ply  a2b2 
Nicht |40. Sc6? wegen 40.: Tc1; 41. De2, Dc1| mit entscheidendem Angriff.
\ply        d7e5 
\move b4a2  b8b2 
\move d2b2  c4d3!
\move b2f2  d3a3 
\move f3f4  e5g4 
\move f2d2  g4e3+
\move g2f2  e3c4 
\move d2e2  c4b2!!
und jetzt durchschaute Gheorghiu den schwarzen Plan: Der Springer a2 geht verloren, z.B.:
|48. Sc1, Dc5+; 49. De3, Sd1+|. Wei"s gab daher auf.

\bigskip
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Varianten mit wei"sem L"auferfianchetto eine aufmerksame Stellungsbehandlung vom Nachziehenden erfordern. Schwarz kann nicht einfach unbek"ummert am Damenfl"ugel angreifen, sondern muss sein Gegenspiel auf den jeweiligen wei"sen Aufbau abstimmen. So bestand in den ersten beiden Varianten der beste Plan in einem fr"uhzeitigen Druck auf den Bauern d5 mittels |Sd7-b6|, in der dritten Variante konnte Schwarz nach konventioneller Methode am Damenfl"ugel vorgehen, w"ahrend er in der vierten Variante auf den Aufbau |Ta7, Da8, Tfb8| und Abtausch der schwarzfeldrigen L"aufer angewiesen war.

Im dritten Teil betrachten wir die \glqq Moderne Variante\grqq{}, die sich im Augenblick gro"ser Beliebtheit erfreut und nach den Z"ugen |1. d4, Sf6; 2. c4, c5; 3. d5, b5; 4. c*b5, a6; 5. e3| entsteht. Der Sinn dieser Variante ist der, dass Wei"s seinen K"onigsl"aufer nicht fianchettieren m"ochte, aber andererseits auch nicht auf das Rochaderecht verzichten will. Das Abspiel, welches ich f"ur Schwarz empfehlen m"ochte, f"uhrt zu einem scharfen Kampf mit vielen beiderseitigen M"oglichkeiten.

\bigskip

\bigskip

\bigskip

\bigskip

\end{multicols}

\newpage
\markboth{Wie spielt man das Wolga-Gambit?}{Die \glqq Moderne Variante\grqq}
\section{Die \glqq Moderne Variante\grqq}
\label{c}
\newgame

\bigskip

\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\ply  e2e3 
Mit diesem Zug will sich Wei"s eine normale Entwicklung seines K"onigsfl"ugels sichern
und gleichzeitig den Mehrbauern festhalten. Schwarz stehen nun die Z"uge |g6, e6, Lb7
und a*b5| zu Gebote.
\ply        a6b5!
\move f1b5  d8a5+
\move b1c3  c8b7!
Die Idee, fr"uhzeitigen Druck gegen den Bauern d5 zu machen, erlebte ihre Bl"utezeit
kurz nach der Olympiade von Saloniki 1984.
\ply  c1d2 
Wei"s kann den Bauern zugunsten einer raschen Weiterentwicklung mit |8. Sge2, S*d5;
9. 0-0| sofort zur"uckgeben, doch sollte Schwarz bei dieser Spielweise keine
besonderen Probleme haben.
\ply        a5b6 
\move d1b3  e7e6!
Die Grundstellung unserer weiteren Betrachtungen. Wir untersuchen nun die Z"uge e3--e4
(Partien 1 - 3) und |Lc4| (Partie 4). |10. d*e6| ist nat"urlich schlecht wegen |10.: L*g2!|
\begin{multicols}{2}

\bigskip
\centerline{\textbf{Joel Benjamin -- Lew Alburt}}
\centerline{U.S.-Meisterschaft 1984}

\medskip
\move e3e4  f6e4 
\move c3e4  b7d5 
\move b3d3  f7f5 
Alburt sch"atzt diese Stellung \bbetter{} ein, eine endg"ultige Bewertung d"urfte
allerdings unm"oglich sein.

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply  e4g5?
Da dies die Premiere der Variante war, ist Benjamins Fehlgriff verst"andlich;
besser ist |13. Sg3|, siehe Partien 2 und 3!
\ply        d5g2 
\move d3e2  g2h1 
\ply  f2f3 
Sperrt den schwarzen L"aufer ein und droht mit |S*e6|.
\ply        a8a6!
Gespielt mit der Idee, dass nach |16. L*a6, D*a6; 17. D*a6, S*a6| die schwarzen Zentrumsbauern stark werden und der L"aufer h1 mittels h6, g5 und g4 ins Freie gelangt; vielleicht ist |16.: S*a6| sogar noch st"arker!

Spielt Wei"s jetzt |16. Lf4?|, so folgt c5--c4! mit Gewinn.
\move a2a4  f8e7 
\ply  g1h3 
Auch nicht besser war |17. Lf4, 0-0; 18. L*b8, L*g5; 19. L*a6, T*b8|, und Schwarz
hat zwei Mehrbauern.
\ply        h7h6 
\move a4a5  b6b7 
\move g5e6  a6e6 
\move e2e6  b7b5 
Der Rest ist nur noch eine Frage der Technik.
\move e6e2  b5b2 
\move a1d1  b8c6 
\move e1f2  b2d4+
\move d2e3  d4h4+
\move f2g1  h4h3 
\move g1h1  c6a5 
\move e3c5  a5c6 
\move c5e7  c6e7 
\move d1g1  e8f7 
\move g1g7  f7g7 
\move e2e7+ g7g6 
Da der K"onig auf h5 einen sicheren Platz findet, gab Wei"s auf.

Eine bittere Niederlage f"ur die Anh"anger der \glqq Modernen Variante\grqq{}!
Doch schon bald wurden Verbesserungen im wei"sen Spiel entdeckt.

\bigskip
\newgame
\centerline{Partie Nr~2}
\centerline{\textbf{D.~Gurewich -- Nicholson}}
\centerline{Lugano 1985}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move e2e3  a6b5 
\move f1b5  d8a5+
\move b1c3  c8b7 
\move c1d2  a5b6 
\move d1b3  e7e6 
\move e3e4  f6e4 
\move c3e4  b7d5 
\move b3d3  f7f5 
\move e4g3  d5g2 
\ply  g1e2 
|14. a4| betrachten wir in Partie 3.
\ply        g2h1 
\move g3h1  f8e7 
\move h1g3  e8g8 
\ply  a2a4 
Verleiht dem |Lb5| mehr Halt und erm"oglicht eventuell die gro"se Rochade. Im "Ubrigen
plant Wei"s ein Vorgehen am gegnerischen K"onigsfl"ugel mittels |Lc3, Sh5 etc.| und
eventuell Figurendruck gegen die schwarzen Zentrumsbauern. Schwarz muss sich wohl
"uberlegen, wann d7--d5 erfolgen soll. Bei ungen"ugender Vorbereitung kann dieser Zug
den Bauern e6 entscheidend schw"achen. Die wei"sen Springer stehen g"unstig, um einen
Figurenangriff im Zentrum zu organisieren (Opferideen auf d5 und e6), weshalb Schwarz
den Vosto"s d5 erst mit der Springerwanderung |Sa6-c7 oder mit Sc6| vorbereiten muss.
\ply        b8c6!?
Stellt die Falle |18. D*d7?, Se5!; 19. D*e7, Tf7!; 20. D*f7+, K*f7| mit leichtem Material- aber entscheidendem Stellungsvorteil f"ur Schwarz.
\move d2c3  d7d5!?
Verfr"uht oder gerade rechtzeitig?
\move d3e3  c6d8 
\ply  g3h5?
 
\smallskip
\showboard
\smallskip
 
Hier muss nach einer Verbesserung gesucht werden! Untauglich ist auch das Opfer
|20. L*g7, K*g7; 21. Sh5+, Kf7; 22. Dh6, D*b5!!| (erk"ampft unter Materialr"ckgabe
den Fluchtweg e8--d7 f"ur den schwarzen Monarchen) |23. D*h7+, Ke8; 24. Dg6+, Kd7;
25. a*b5, T*a1+; 26. Kd2, Ta5!| und Schwarz hat Vorteil.

\textbf{Analyseaufgabe Nr.~4:} Was soll Wei"s nach |19.: Sd8| spielen? Kann man den Vorsto"s
d7--d5 als verfr"uht bezeichnen oder steht Schwarz bereits besser?
\ply        d5d4 
\ply  e2d4 
Auf dieses Opfer hatte sich Wei"s verlassen.
\ply        c5d4 
\move c3d4  b6b7 
\ply  d4g7 
Zu pr"ufen w"are |23. 0-0-0, Tc8+; 24. Kb1, De4+; 25. D*e4, f*e4; 26. S*g7, Lf6| usw.
\ply        b7h1+
\move b5f1  f5f4!
R"aumt das Feld f5 f"ur den Turm.
\move e3e2  f8f5 
\move e1c1  h1c6+
\move g7c3  f4f3 
\move e2d3  c6a4 
\move h5g3  f5d5 
Wei"s gab auf.

\bigskip
\newgame
\centerline{Partie Nr.~3}
\centerline{\textbf{Kouatly -- Ermenkow}}
\centerline{Albena 1985}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move e2e3  a6b5 
\move f1b5  d8a5+
\move b1c3  c8b7 
\move c1d2  a5b6 
\move d1b3  e7e6 
\move e3e4  f6e4 
\move c3e4  b7d5 
\move b3d3  f7f5 
\move e4g3  d5g2 
\move a2a4  b6b7!
\move f2f3  f8e7 
\move g1e2  g2h1 
\move g3h1  e8g8 
\move e1c1  b8c6!
Auf der Olympiade in Saloniki 1984 spielte Miles gegen Beljawski schw"acher |
18.: Lf6; 19. Lc3, d5; 20. Sf4!, L*c3; 21. D*c3, Tf6; 22. Sg3, Sa6; 23. Sgh5, Tf7;
24. S*e6| und nun kann man die Nachteile eines ungen"ugend vorbereiteten d7--d5
deutlich sehen; Beljawski gewann nach 94 Z"ugen.
\ply  c1b1 
|19. Lc3, d5!|
\ply        c6e5 
\move d3e3  e5f3 
\move d2c3  e7g5 
\ply  e3c5 
Ohne Nutzen war |22. Tg1, h6!|
\ply        b7e4+

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply  d1d3?
Notwendig war |23. Ka2, Le3!| mit beiderseitigen Chancen, es verlor |23. Ka1?, T*a4+| usw.
\ply        f8c8?
Es ging einfach |23.: D*e2, 24. T*d7, De4+; 25. Ld3, Sd2+|, und wohin Wei"s auch zieht, es folgt immer ein vernichtendes Schach der schwarzen Dame.
\move c5f2  f3e5 
\ply  f2d4 
Alternativen: |25. L*e5, D*h1+; 26. Ka2, De4 oder 25. Shg3, S*d3; 26. S*e4, S*f2;
27. S*f2, Tc7|, jeweils mit leichtem schwarzen Vorteil.
\ply        e4e2 
\move d4e5  e2f1+
\move b1a2  g5f6 
\ply  e5f6 
Darauf hatte sich Wei"s verlassen.
\ply        a8a4+!
\move a2b3  a4a3+!
Ein genialer Konter, auf |30. Kb4 folgt Ta*c3!; 31. T*c3, Df4+; 32. Kb3, g*f6;
33. T*c8+, Kf7| mit der Drohung |Df3|.
\move b3a3  f1a1+
\move a3b4  g7f6 
\move h1g3  a1g1!
\move c3d4  g1e1+
\move d4c3  e1g1 
Ermenkow war hier in starker Zeitnot!
\move c3d4  g1e1+
\move d4c3  e1f2 
\move c3d4  f2f4 
\move g3h5  f4d6+
\move b4b3  c8b8 
\move b3a4  b8a8+
\move a4b3  a8b8 
\move b3a4  b8a8+
\move a4b3  a8a5 
\move b5c4  d6c6 
\move h5f6+ g8f7 
\move d3h3  a5a1!
\move h3h7+ f7g6 
\move c4e2  c6a4+
\move b3c3  a1c1+
\move c3d3  a4c2+
Geschafft!
\move d3e3  c1e1 
\ply  h7g7+
und nach dem Racheschach gab Wei"s auf.

\bigskip
\newgame
\centerline{Partie Nr.~4}
\centerline{\textbf{Hjartarson -- Fedorowicz}}
\centerline{Hastings 1985/86}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move e2e3  c8b7 
Die Zugfolge |5.: Lb7| ist nicht so genau wie |5.: a*b5|, da Wei"s die zus"atzliche
M"oglichkeit |6. b*a6!| hat.
\move b1c3  a6b5 
\move f1b5  d8a5 
\move c1d2  a5b6 
\move d1b3  e7e6 
\ply  b5c4 
Mit diesem Zug will Wei"s taktischen Verwicklungen aus dem Wege gehen.
\ply        b6b3 
\move c4b3  e6d5

\smallskip\showboard
\smallskip
 
Wei"s pocht auf die bessere Bauernstellung und plant die Belagerung von d5 mittels
|Sge2-f4 und Td1|. Vielleicht sollte Schwarz mit |e*d5| warten, bis sich der wei"se
K"onigsspringer festgelegt hat, z.B.: |11.: Sa6!; 12. Sge2, Sb4!; 13. d*e6, Sd3+;
14. Kf1, f*e6| mit Kompensation. In einer Partie D. Gurewich -- J. Benjamin (Chicago 1986)
spielte Wei"s auf |11.: Sa6; 12. Sf3?!| mit dem Fortgang |12.: e*d5; 13. 0-0, Le7;
14. Tfd1, 0-0; 15. Le1, Sc7; 16. Sh4, g6; 17. g3, Tfb8; 18. Sg2, Lc6; 19. Tab1, b4;
20. Lc2, Se6; 21. Sf4, d4!,| und Schwarz war im Vorteil.
\move g1e2! b8a6 
\move e1g1  f8e7 
\move f1d1  e8g8 
\move d2e1  c5c4 
In Richter -- Ernst (Saloniki 1984) geschah stattdessen |15.: Sc7; 16. Sf4, c4;
17. Lc2| mit wei"sem Vorteil.
\move b3c2  b7c6 
R"aumt die b-Linie f"ur das Man"over |Tfb8 und Sb4|.
\move e2f4  a6b4!
Hier steht der Springer nat"urlich viel aktiver als auf c7.
\move c2b1  f8b8 
\move h2h4  e7f8?!
Erweist sich als Zeitverlust, besser war wohl |19.: g6|.
\move c3e2  b4a6 
\move e1c3  f8e7 
\move h4h5  a6c5 
\move b1c2  f6e4 
Der schwarze Druck am Damenfl"ugel gen"ugt, um die Stellung im Gleichgewicht zu halten,
z.B.: |24. S*d5, L*d5; 25. T*d5, S*c3; 26. b*c3, Tb2| mit Ausgleich.
\move c3e5  d7d6 
\move e5d4  c5e6 
\move f2f3  e4f6 
\move d4c3  e7d8!
\ply g1f2 

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply d8a5 
\move c3f6  g7f6 
Der schwarzfeldrige L"aufer von Wei"s musste um jeden Preis vernichtet werden.
\ply  a1b1!
Klar schw"acher war |30. b3, S*f4; 31. e*f4, Lb6+; 32. Kg3, Lc5|, und Schwarz kann
sehr zufrieden sein.
\ply        e6f4 
\move e2f4  a5d8!
\move a2a3  a8a5 
\move f4e2  d8b6 
\ply  h5h6 
Wei"s steht etwas besser, kann aber den Vorteil nicht zum Sieg verdichten.
\ply        b6c5 
\move e2d4  c5d4 
\move d1d4  a5b5!
\move d4g4+ g8h8 
\move g4g7  b5b2 
\move g7h7+ h8g8 
\move h7g7+ g8h8 
Der Gewinnversuch |40.: Kf8?| wird exemplarisch widerlegt: |41. T*b2, T*b2; 42. Tg3,
T*c2+; 43. Kg1| und der h-Bauer macht das Rennen.
\move g7h7+ h8g8 
\move h7g7+ g8h8 
remis

\medskip
Obwohl Schwarz nicht fehlerfrei gespielt hat, ist diese Partie sehr aufschlussreich f"ur das Verst"andnis der Position und der beiderseitigen Pl"ane nach |10. Lc4!?|

\bigskip
Im vierten Teil zum Wolga-Gambit besch"aftigen wir uns mit der scharfen Gambitvariante |1. d4, Sf6; 2. c4, c5; 3. d5, b5; 4. c*b5, a6; 5. Sc3, a*b5; 6. e4, b4; 7. Sb5, d6| usw.
\end{multicols}
\newpage
\markboth{Wie spielt man das Wolga-Gambit?}{Die Gambitvariante mit 6. e4}
\section{Die Gambitvariante mit 6. e4}
\label{d}
\begin{multicols}{2}
\centerline{\textbf{1.~Variante}}

\medskip
\newgame
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b1c3  a6b5 
\ply  e2e4 
Mit diesem Zug dreht Wei"s den Spie"s um und opfert h"aufig selbst einen Bauern;
dagegen f"uhrt |6. S*b5, La6!; 7. Sc3| zu bereits bekannten Stellungsbildern.
\ply        b5b4 
\ply  c3b5!?

\smallskip\showboard
\smallskip

Dieser Zug beruht auf der "Uberlegung |7. S*e4?; 8. De2, f5; 9. f3, Sf6?; 10. Sd6~matt|.
Das eben gezeigte Motiv ist immer zu beachten, wenn Schwarz auf e4 fressen will. Der
Springer auf b5 hat aber auch seine Schattenseiten: H"aufig wird er von seinen eigenen
Streitkr"aften abgeschnitten und droht nach erfolgtem |Da5 und La6| verlorenzugehen.
Andererseits hatte Wei"s im 7. Zug auch kaum eine Wahl: |7. e5, b*c3; 8. e*f6, c*b2; 9.
L*b2, Da5+; 10. Dd2, D*d2+; 11. K*d2, g*f6| ist schlecht f"ur Wei"s und f"uhrte in
Vannrud -- Akvist (Eksj"o 1970) zu einer schnellen Niederlage nach |12. Sf3, Lh6+; 13.
Kc2, d6; 14. Lb5+, Kd8; 15. Sd2, Lf5+; 16. Ld3, L*d3+; 17. K*d3, L*d2; 18. K*d2, Tg8!|
und 0--1 wegen der Doppeldrohung  |T*g2 und Tg5 nebst T*d5|.
\ply        d7d6
Angesichts des drohenden e4--e5 erzwungen. 
\ply  f1c4 
Wei"s plant die allm"ahliche Durchsetzung von e4--e5, dem gleichen Zweck dienen die
Z"uge |8. Sf3 und 8. Lf4|, siehe 2. und 3. Variante.
\ply        g7g6 
\move c1f4  f8g7 
Wenn der L"aufer einmal auf g7 steht, ist e5 in dieser Variante keine Bedrohung mehr.
\move e4e5  d6e5 
\move f4e5  e8g8!
\move g1f3  c8a6 
Schwarz attackiert folgerichtig den vorgepreschten Springer.
\move a2a4  b4a3e.p.
\move a1a3  b8d7 
\ply  e5g3 
Wei"s steht wegen des isolierten d-Bauern deutlich schlechter, daran h"atte auch die Rochade nichts ge"andert.
\ply        a6b5 
\move c4b5  a8a3 
\ply  b5d7 
|17. b*a3, Da5+|
\ply        a3f3!
und in einer Partie \textbf{Leimlehner -- Binham} (Ybbs 1976) gab Wei"s auf.

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{2.~Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b1c3  a6b5 
\move e2e4  b5b4 
\move c3b5  d7d6 
\ply  g1f3 
Das ist schon deutlich energischer als |8. Lc4|.
\ply        g7g6
Auch hier w"are |S*e4| verfehlt: |9. Lc4!, g6; 10. De2, Sf6; 11. Lf4, Ta6; 12. S*d6+, T*d6; 13. Lb5+| und Wei"s gewinnt die Qualit"at oder aber |9.: Sd7, 10. De2, Sdf6; 11. Lf4| mit den Drohungen |Sd2 und Sg5|.
\ply  e4e5 
Am konsequentesten, m"oglich ist auch |9. Lc4, Lg7; 10. e5| -- z"ogert Wei"s diesen
Vorsto"s noch l"anger heraus, kann Schwarz rochieren und evtl. |Sfd7| spielen. --
|10.: d*e5, 11. S*e5, 0-0; 12. 0-0|, und zu dieser Stellung kommen wir noch.
\ply        d6e5 
\move f3e5  f8g7 
\ply  f1c4 
|11. d6| kann Schwarz einfach mit |11.: 0-0| beantworten; die wei"sen Springer stehen
dann exponiert.
\ply        e8g8 
\move e1g1  f6d7!

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply  f2f4 
Wei"s sucht Linien"offnung um jeden Preis, ungen"ugend war |13. Sc6, S*c6; 14. d*c6,
Se5; 15. Ld5, Ta5!; 16. c7, De8; 17. a4, b*a3e.p.; 18. S*a3 und nach La6 oder e6| wird
Schwarz langsam den Bauern c7 einkreisen. Die M"oglichkeit |13. S*d7| betrachten wir in
der Partie Farago -- Barczay.
\ply        d7b6!
Am einfachsten
\move b2b3  c8b7
\ply  c1e3 
Vielleicht ist |15. d6, S*c4; 16. b*c4, Sc6| noch am besten f"ur Wei"s.
\ply        b8d7
In einer Partie Gligoric -- Deze (Novi Sad 1976) sah Wei"s nun ein, dass er positionell "uberspielt war und suchte sein Heil in taktischen Verwicklungen. Es folgte: 
\move e5c6  b7c6 
\move d5c6  g7a1 
\move d1a1  b6c4 
\move c6c7  d8c8 
\move b3c4  c8b7 
\move f4f5  f8c8 
\move e3h6  d7f6

\smallskip\showboard
\smallskip
 
\ply  b5d6 
Es scheiterte |23. f*g6, f*g6!; 24. T*f6, e*f6; 25. D*f6 an 25.: T*c7; 26. Sd6, Tf7!;
27. De6, De7|.
\ply        b7c7 
\ply  d6c8 
und nun h"atte Schwarz mit |24.: T*c8| eine klar bessere Stellung erreichen k"onnen!

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{Farago -- Barczay}}
\centerline{Ungarn 1976}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b1c3  a6b5 
\move e2e4  b5b4 
\move c3b5  d7d6 
\move g1f3  g7g6 
\move e4e5  d6e5 
\move f3e5  f8g7 
\move f1c4  e8g8 
\move e1g1  f6d7 
\move e5d7  b8d7 
\move d5d6  e7d6 
\move b5d6  d7e5

\smallskip\showboard
\smallskip
 
\ply  c4d5 
Besser war |16. Le2, Le6| mit gutem Spiel f"ur Schwarz.
\ply        c8g4!
\move f2f3  d8d6 
\move d5a8  e5d3!
\ply  c1e3 
Es drohte fatal |Dd4+|.
\ply        g4f5 
\move a8e4  f5e4 
\move f3e4  g7b2 
\move a1b1  b2e5
\ply  d1b3 
Es drohte c5--c4.
\ply        e5h2+
\move g1h1  h2e5 
\move f1d1  f8d8 
\move e3c5  d6c5 
\move d1d3  d8d3 
\move b3d3  c5f2!

\smallskip\showboard
\smallskip

Schwarz hat pl"otzlich gef"ahrliche Drohungen auf den dunklen Feldern!
\move b1f1  f2a2 
\move d3d8+  g8g7 
\ply  d8e7 
|31. Dd5?, D*d5!|
\ply        e5c3 
\move e4e5  a2d5 
\move e7d6  d5e5 
\move d6d7  e5h5+
\move h1g1  h5c5+
\ply  g1h1 
und 0--1 wegen |Dc4, b3|, usw.! Hier siegte einmal mehr der Geist "uber die Materie.

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{3.~Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b1c3  a6b5 
\move e2e4  b5b4 
\move c3b5  d7d6 
\move c1f4! g7g5!
Schwarz bietet seinen g-Bauern an, um mit Tempogewinn auf e4 schlagen zu k"onnen.
Klar schw"acher w"are |8.: g6 wegen 9. e5!, Sh5; 10. Le3 und d*e5 scheitert an
L*c5 nebst d6|!
\ply  f4g5 
Nicht besser sind |9. e5, g*f4; 10. e*f6, Sd7!; 11. f*e7, D*e7+; 12. Le2, Se5 oder
9. Lg3, Lg7 usw. oder 9. Le3, S*e4!?; 10. Ld3, Sf6; 11. L*g5, Lg7; 12. Se2, Sbd7; 13.
0-0, Se5; 14. a4, S*d3; 15. D*d3, 0-0; 16. Sf4, Dd7| (Franczek -- Dobosz, Polen 1976).
In allen F"allen hat Schwarz leichten Vorteil.
\ply        f6e4 
\ply  g5f4!
Der L"aufer ist ein wichtiger Angreifer.
\ply        d8a5!
Eine Verst"arkung gegen"uber der alten Fortsetzung |9.: Lg7|. Auf |10. De2| hat Schwarz nun die vielversprechenden Fortsetzungen |La6 und b3+| zur Verf"ugung, wonach evtl. ein Damenopfer auf a2 in Frage kommt.
\ply  f1c4 
\noindent |11. Ld3!?|
\ply        f8g7 
\move d1e2  b4b3+
\move e1f1  f7f5!
 
\smallskip\showboard
\smallskip
 
Wir folgen nun der Partie \textbf{Silman -- Christiansen} (Los Angeles 1989):
\ply  f2f3 
|14. Dh5+, Kd8| w"are gut f"ur Schwarz, auf |14. Sf3 folgt einfach 0-0|.
\ply        e8g8!
\move f3e4  f5e4 
\ply  g2g3 
Nicht |16. D*e4 wegen Dd2!|
\ply        a5a2!
\move a1a2  b3a2 
\move c4a2  a8a2 
Nun hat Schwarz schon einen vollen Turm ins Gesch"aft gesteckt, aber der Erfolg l"asst
sich sehen: Wei"s ist v"ollig unterentwickelt, und es droht |La6 nebst T*b2| usw.
\move b5c7! c8f5 
Gut war auch |19.: Sa6; 20. Se6, L*e6; 21. d*e6, Tb8!; 22. D*e4, Tb*b2; 23.
Se2, T*e2; 24. D*e2, T*e2; 25. K*e2, Sc7| mit schwarzem Endspielvorteil.
\move c7e6  a2b2 
 
\smallskip\showboard
\smallskip
 
\ply  e6f8?
Schlecht war auch |21. S*g7, T*e2; 22. S*f5, Ta2; 23. S*e7+, Kg7!; 24. Se2, e3; 25. g4,
T*f4; 26. S*f4, Tf2+; 27. Ke1, T*f4; 28. Sf5+, Kf6; 29. S*d6, Ke5\bupperhand|.
Spielbar war aber vielleicht |21. De3, L*e6; 22. d*e6, Sc6; 23. D*e4, Sd4; 24.
Sf3, Tfb8| mit unklarer Stellung -- mit |21.: Tb1+, Tb2+| konnte Schwarz auch
Remis erzwingen.
\ply        b2e2 
\move g1e2  g8f8 
\move f1f2  b8a6! 
Nun hat Wei"s Probleme mit dem Bauern d5.
\move f4d2  a6c7 
\move e2f4  g7e5 
\move d2a5  e5f4 
\move a5c7  f4g5 
Droht |Lg4!|
\move h2h3  f8e8!
\move g3g4  f5c8 
\move f2g3  g5d2!
Wei"s hat den d-Bauern gerettet, aber sein L"aufer bleibt au"ser Spiel.
\move h1b1  e4e3 
\move g3f3  e8d7 
\move c7b8  c8a6 
\move h3h4  e3e2 
\move f3f2  a6d3 
\move b1a1  d7c8 
\move b8a7  c8b7 
0--1

Eine theoretisch wichtige Partie, die die schwarzen M"oglichkeiten in dieser
Variante hervorragend beleuchtet!

\end{multicols}

\newpage
\markboth{Wie spielt man das Wolga-Gambit?}{Wei"s verzichtet auf b\weakpt a6}
\section{Wei"s verzichtet auf b\weakpt a6}
\label{e}
\begin{multicols}{2}
\newgame
\centerline{\textbf{1.~Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move f2f3  g7g6 
|5.: a*b5| beg"unstigt die wei"sen Absichten: |6. e4, d6; 7. L*b5+| usw.! Mit dem
Zug |5. f3| st"arkt Wei"s sein Zentrum und kann die wei"sfeldrigen L"aufer ohne
Rochadeverlust abtauschen. Spielt Wei"s sp"ater f4, war |5. f3| allerdings ein
Tempoverlust. F"ur Schwarz gibt es noch die M"oglichkeit |5.: e6|, womit sofort
das Zentrum attackiert wird, nach |6. e4, e*d5; 7. e5!, De7; 8. De2, Sg8; 9. Sc3, Lb7;
10. Sh3, c4| entsteht eine sehr unklare Stellung.
\move e2e4  d7d6 
 
\smallskip\showboard
\smallskip
 
\ply  b1c3 
M"oglich ist auch |7. b*a6, L*a6; 8. L*a6, S*a6|, wonach Schwarz das "ubliche
Druckspiel am Damenfl"ugel aufbaut. Interessanr ist ferner |7. a4, Lg7; 8. a5, a*b5;
- erzwungen - 9. L*b5+, Sfd7!;| -- verhindert die Deckung des Bauern a5 durch|
Ld2 -- 10. Da4, 0-0; 11. Se2, Sa6; 12. 0-0, Sc7; 13. Lc4, Tb8; 14. Sd2!, Se5;
- L*b2| h"atte nur den wei"sen Freibauern stark gemacht -- |15. Dc2, Tb4; 16.
Ta2, Sa6; 17. Ta4, De8; 18. T*b4, S*b4; 19. Db3, Dd7| mit nach wie vor unklarer
Stellung in Kortschnoi -- Miles (Amsterdam 1976).
\ply        f8g7 
\ply  c1g5 
Da sich Wei"s in dieser Variante keinem fr"uhzeitigen auf der b-Linie entgegensieht,
ist dies der beste Platz f"ur den L"aufer.
\ply        e8g8
M"oglich ist auch |8.: h6; 9. Le3, 0-0; 10. Dd2, Kh7| usw. 
\move d1d2  f8e8 
Schwarz plant e7--e6, um Wei"s f"ur die vernachl"assigte Entwicklung des K"onigsfl"ugels
zu bestrafen. Wir folgen nun einer Partie \textbf{Viner -- Gheorghiu} (Adelaide 1971):
\ply  a2a4 
Ignoriert die schwarzen Absichten, besser war wohl |10. b*a6, L*a6; 11. L*a6, S*a6;
12. Sge2 und nun Db6| mit den Absichten |Sfd7 und e6 oder c4 und Sc5-d3|.
\ply        b8d7 
\move g1h3  d7b6 
Der Bauer d5 wird aufs Korn genommen, um den Vorsto"s e7--e6 noch kr"aftiger wirken
zu lassen, auf |12. a5 folgt a*b5|.
\move h3f2  e7e6 
\ply  a4a5!
Schlechter war |13. d*e6, L*e6; 14. b*a6, Sc4; 15. L*c4, L*c4; 16. Sd3| usw.,
da die schwarzen L"aufer sehr stark werden.
\ply        a6b5 
\move f1b5  c8d7 
\ply  f2g4 
Besser war wohl |15. d*e6, T*e6; 16. 0-0, L*b5; 17. S*b5, Sc4| usw.
\ply        d7b5 
\move c3b5  b6c4 
\move d2c3!? f6g4 
kleines Gemetzel...
\move c3g7+ g8g7 
\move g5d8  e8d8 
\move f3g4  d8b8 
\move b5c3  a8a5 
\ply  e1g1 
Ebenfalls schlecht war |22. T*a5, S*a5; 23. Sd1, Tb4|.
\ply        a5a1 
\move f1a1  b8b2 
und Schwarz gewann im 30. Zug!

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{2.~Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move c4b5  a7a6 
\move b5b6  d8b6 
Wei"s hat den Gambitbauern freiwillig zur"uckgegeben und so eine "Offnung der a-Linie
verhindert. Da dem d5-Bauern aber trotzdem die nat"urliche St"utze fehlt und die
halboffene b-Linie Druckspiel verspricht, kann Schwarz eigentlich zufrieden sein.
\move b1c3  g7g6 
\move e2e4  d7d6 
\ply  g1f3 
Nat"urlich w"are auch ein Aufbau mit |g3 und Lg2| m"oglich -- Schwarz hat auch
dann nichts besonderes zu f"urchten.
\ply        f8g7
 
\smallskip\showboard
\smallskip
 
\ply  f1e2 
Interessant ist |9. Sd2, 0-0; 10. Sc4, Dc7; 11. a4| -- will das Man"over |Sbd7-b6|
unterbinden -- |Sbd7; 12. Le2, Sb6; 13. Sa3!, Lb7; 14. 0-0, e6, 15. a5, Sbd7;
16. Sc4, e*d5; 17. e*d5, Se5; 18. Sb6, Tae8; 19. Le3| und Remis in
\textbf{Mititelu -- Gheorghiu} (Decin 1975).
\ply        e8g8 
\move e1g1  b8d7 
und in \textbf{Saidy -- Popov} (Tallinn 1973) ging es weiter mit:
\move f3d2  b6c7!
\move d2c4  d7b6 
\ply  c1g5?
Nun kommt Schwarz zum gew"unschten Springerabtausch; die wei"se Stellung ist danach
perspektivlos.
\ply        b6c4 
\move e2c4  f8e8 
\move d1d2  a8b8 
\move b2b3  c7a5 
\move d2c2  f6d7 
Schwarz entfacht das "ubliche Druckspiel ohne Minusbauer!
\move g5d2  a5c7 
\move a1e1  d7b6 
\ply  c4d3 
Wei"s w"are den L"aufer zwar gerne los, aber nicht um den Preis von |20.: S*c4;
21. b*c4, Tb2 nebst Da5| usw.

\ply        c7a7 
\ply  g1h1 
Vorsorge...
\ply        c8d7 
\move c3d1  c5c4!
 
\smallskip\showboard
\smallskip

Eine sch"one Idee: Unter Bauernopfer "offnet Schwarz die b-Linie und r"aumt das Feld c5
f"ur seinen Springer!
\move b3c4  b6a4 
\move d2e3  g7d4 
\ply  e3c1 
Gibt klein bei.
\ply        a4c5 
\move c2d2  e8c8 
\move d3c2  c5a4 
\ply  c2b3 
Pl"otzlich ist der L"aufer wieder dringend notwendig!
\ply        d4g7 
\move f2f3  a6a5 
\move d2e2  a7c5 
\move c1e3  c5a3 
\move b3a4  a3a4 
Damit ist der Guerrilliakrieg ausgestanden und Wei"s muss sich mit materiellen
Verlusten anfreunden.
\move e3g5  f7f6 
\move g5h4  a4c4 
\move e2d2  c4a4 
\move d1e3  a4a3 
\move e1b1  g7h6!
\move b1b8  c8b8 
\move e3c4  h6d2 
\move c4a3  b8c8 
Die Vereinfachung der Position hat den schwarzen Vorteil noch vergr"o"sert.
\move h2h3  d2c1 
\move a3b1  d7b5 
\move f1d1  b5e2 
\ply  d1d4 
Einziger Zug, der |Ld3| mit Springerfang verhindert.
\ply        c1e3!
und 0--1!

In der Variante mit |5. b6| muss wohl eher Wei"s aufpassen, nicht in Nachteil zu geraten. Schwarz kann mit einfachen, nat"urlichen Z"ugen eine gute Stellung erreichen!

\end{multicols}
\newpage
\markboth{Wie spielt man das Wolga-Gambit?}{Wei"s lehnt das Gambit ab}
\section{Wei"s lehnt das Gambit ab}
\label{f}

\begin{multicols}{2}
Wei"s hat eine Vielzahl von Z"ugen, mit denen er den angebotenen Bauern verschm"ahen kann. Davon wollen wir |4. Sf3, 4. a4 und 4. b3| einer genaueren Pr"ufung unterziehen. Andere M"oglichkeiten sind: (nach |1. d4, Sf6; 2. c4, c5; 3. d5, b5|)
\newgame
\begin{position}
\White(Ke1,Dd1,Ta1,Th1,Lf1,Lc1,Sb1,Sg1,a2,b2,c4,d5,e2,f2,g2,h2)
\Black(Ke8,Dd8,Ta8,Th8,Lc8,Lf8,Sb8,Sf6,a7,b5,c5,d7,e7,f7,g7,h7)
\end{position}
\Whitetrue
\movecount=3

\bigskip
\centerline{\textbf{A}}

\medskip
\move d1c2  b5c4!
 Dies ist fast immer die richtige Methode, um auf einen ablehnenden Zug von Wei"s zu reagieren, weniger gut w"are hingegen b5--b4, weil sich Schwarz damit die M"oglichkeiten eines Gegenspiels am Damenfl"ugel nimmt. Wei"s besitzt dann Raumvorteil und kann gefahrlos im Zentrum vorgehen. 
\move e2e4  e7e6!
\move f1c4  e6d5 
\move e4d5  d7d6 
\move b1c3  f8e7
Dieses Zugest"andnis muss Schwarz immerhin machen: Nach |8.: g6; 9. Lf4, Lg7; 10. Sb5| geht es dem Bauern d6 schlecht!  
\move g1e2  e8g8 
\move e1g1  b8d7 
\move a2a3  d7b6 
\move c4a2  f8e8
Schwarz steht wegen des vereinzelten Bauern d5 eher besser!

\bigskip
\centerline{\textbf{B}}

\medskip
\begin{position}
\White(Ke1,Dd1,Ta1,Th1,Lf1,Lc1,Sb1,Sg1,a2,b2,c4,d5,e2,f2,g2,h2)
\Black(Ke8,Dd8,Ta8,Th8,Lc8,Lf8,Sb8,Sf6,a7,b5,c5,d7,e7,f7,g7,h7)
\end{position}
\Whitetrue
\movecount=3

\move f2f3  b5c4 
\move e2e4  d7d6 
\move f1c4  g7g6 
\move b1c3  f8g7 
\move g1e2  e8g8 
\move e1g1  b8d7 
\move c1e3  d7e5 
\move c4b3  c8a6
Lim -- Browne (New York 1970). Schwarz hat bereits leichten Vorteil!

\bigskip
\centerline{\textbf{C}}

\medskip
\begin{position}
\White(Ke1,Dd1,Ta1,Th1,Lf1,Lc1,Sb1,Sg1,a2,b2,c4,d5,e2,f2,g2,h2)
\Black(Ke8,Dd8,Ta8,Th8,Lc8,Lf8,Sb8,Sf6,a7,b5,c5,d7,e7,f7,g7,h7)
\end{position}
\Whitetrue
\movecount=3

\move g2g3  b5c4!
\move f1g2  g7g6 
\move b1c3  c8b7 
\move g1f3  f8g7 
\move e1g1  e8g8 
\move f3e5  d7d6 
\move e5c4  b8d7 
\move f1e1  b7a6
In einer Partie Johannessen -- Fischer (Havanna 1966) wies der sp"atere Weltmeister nach, dass die schwarzen Chancen nicht schlechter sind!

\bigskip
\centerline{\textbf{D}}

\medskip
\begin{position}
\White(Ke1,Dd1,Ta1,Th1,Lf1,Lc1,Sb1,Sg1,a2,b2,c4,d5,e2,f2,g2,h2)
\Black(Ke8,Dd8,Ta8,Th8,Lc8,Lf8,Sb8,Sf6,a7,b5,c5,d7,e7,f7,g7,h7)
\end{position}
\Whitetrue
\movecount=3
\move c1g5  b5c4 
\move b1c3  d7d6 
\move e2e4  g7g6 
\move f1c4  f8g7 
\move g1f3  e8g8 
\ply  e1g1
Die Chancen d"urften sich die Waage halten!

\bigskip
\centerline{\textbf{E}}

\medskip
\begin{position}
\White(Ke1,Dd1,Ta1,Th1,Lf1,Lc1,Sb1,Sg1,a2,b2,c4,d5,e2,f2,g2,h2)
\Black(Ke8,Dd8,Ta8,Th8,Lc8,Lf8,Sb8,Sf6,a7,b5,c5,d7,e7,f7,g7,h7)
\end{position}
\Whitetrue
\movecount=3

\move b1d2  e7e6!
\move d5e6  f7e6 
\move c4b5  d7d5 
Es ist eine Variante des Blumenfeldgambits entstanden, wo der schwarze Minusbauer durch aktives Figurenspiel und Kontrolle des Zentrums voll kompensiert wird!

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{1.~Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\ply  g1f3 
Vielleicht die beste Art, das Wolga-Gambit abzulehnen.
\ply        g7g6
Damit plant Schwarz den "Ubergang zu normalen Stellungen. 
\ply  c4b5 
Andernfalls kann Schwarz ohne gr"o"sere Probleme auf c4 zugreifen.
\ply        a7a6 
\ply  e2e3 
Dies d"urfte der beste Versuch sein, die gereits behandelten Hauptvarianten zu
vermeiden, m"oglich ist auch |6. Sc3, a*b5; 7. e4, b4; 8. e5| -- |8. Sb5, d6|
f"uhrt zum 4.~Teil, 2.~Varante -- |b*c3; 9. e*f6, e*f6; 10. b*c3| mit zweischneidiger
Stellung.
\ply        a6b5
Zu |6.: Lg7| wurden in der Er"offnungstheorie schon endlose Debatten gef"uhrt. Der Nachziehende hat in dieser Variante immer das Problem, dass bei einer allzulangen Verz"ogerung von d7--d6 immer das Zerst"orungsopfer d5--d6! folgen kann. Die Methode |6.: a*b5| halte ich nicht f"ur schlecht, und sie hat den Vorteil besserer "Uberschaubarkeit.
\move f1b5  d8a5+
\move b1c3  c8a6 
Nicht |8.: Se4; 9. Dc2!, S*c3; 10. D*c3, D*c3; 11. b*c3, Lg7; 12. Lb2| ohne
Kompensation!
\move b5a6  a5a6!
\move e3e4  d7d6 
\move d1e2  f8g7 
\move e2a6  b8a6 
\move e1g1  e8g8 
\move a1b1  c5c4 
\move f3d2  f8c8 

\smallskip\showboard
\smallskip

Die M"oglichkeiten |Sc5-d3 oder Sb4-d3| sichern Schwarz gutes Gegenspiel am Damenfl"ugel. Auch |9.: S*a6| sieht verlockend aus!

\medskip
\textbf{Achtung Hausaufgabe:} Da die oben empfohlene Variante in der Praxis noch nicht vorgekommen ist, bitte ich Euch, eine Trainingspartie zu der Stellung nach |8.: La6| zu spielen (aber bitte nicht gegen Eure Gro"smutter!).

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{2.~Variante}}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\ply  a2a4 
Zwingt Schwarz zu einer Erkl"arung.
\ply        b5c4!
\move b1c3  d7d6 
\move e2e4  c8a6!
Mit der vor"ubergehenden Verteidigung des Bauern st"ort Schwarz die harmonische Entwicklung seines Gegners und beh"alt sich vor, einen auf c4 aufkreuzenden L"aufer abzutauschen.
\ply f2f4!
Spielt Wei"s weniger energisch |7. Sf3, so kann folgen: 7.: g6, 8. Sd2, Lg7; 9. S*c4, 0-0; 10. Le2, Sbd7; 11. 0-0, Sb6!; 12. Sa3, L*e2; 13. D*e2, Dd7; 14. a5, Sa4; 15. Sd1, Tab8| und in einer Partie Tatajew -- Gurewitsch stand Schwarz besser.
\ply b8d7
Sichert e5 
\move g1f3  g7g6 
\ply e4e5
Das ruhigere |9. Le2| betrachten wir in der Partie Jussupow -- Tschechow.
\ply  d6e5 
\move f4e5  f6g4 
\move c1f4  f8g7 
\ply d1e2
Voreilig erscheint |12. e6, Sde5!; 13. Sg5, f5!; 14. h3 - 14. Le2, Sd3+; 15. L*d3, c*d3\bbetter - 14.: Db8!; 15. Dd2 - 15. h*g4, Sd3+; 16. L*d3, D*f4! - 15.: Sf6| und beide Seiten haben eine Vielzahl taktischer M"oglichkeiten.
\ply  d8b8!
Wenn Wei"s hier nichts erfindet, gewinnt Schwarz einfach einen Bauern; |13. e6?, D*f4; 14. e*d7+, K*d7| sieht Schwarz im Vorteil!
\ply  d5d6!?

\smallskip\showboard
\smallskip

und nun wartet \textbf{Analyseaufgabe Nr.~5:} Beurteile die Folgen von |13. d6!?|

\bigskip

\bigskip

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{Jussupow -- Tschechow}}
\centerline{Wilna 1978}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\move a2a4  b5c4 
\move b1c3  d7d6 
\move e2e4  c8a6 
\move f2f4  b8d7 
\move g1f3  g7g6 
\move f1e2  f8g7 
\move e1g1  e8g8 
\move f3d2  f6e8!

\smallskip\showboard
\smallskip

Nun bewacht der |Lg7| das Feld e5 und der Springer begutachtet von c7 aus den Bauern d5.
\ply e2c4
Auf |12. S*c4 folgt das typische Sb6!|
\ply  a6c4 
\ply d2c4

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply  f7f5!
Damit verhindert Schwarz f4--f5 und schw"acht den Bauern d5.
\move d1e2  f5e4 
\move c3e4  e8c7 
\move e4g5  d7b6!
\move a1a3  b6c4 
\move e2c4  h7h6 
\move g5e6  c7e6 
\ply d5e6
Die wei"sen Angriffsbem"uhungen sind im Sand verlaufen, mit dem n"achsten Zug ergreift Schwarz die Initiative.
\ply  d6d5!?
\move c4c5  a8c8 
\move c5b5  d8d6 
\ply a3d3?
In einer schwierigen Stellung begeht Wei"s den entscheidenden Fehler.

\smallskip\showboard
\smallskip

\ply c8c1!
\move f1c1  d6f4 
\move d3d1  g7d4+
\move g1h1  d4e5 
\move g2g3  f4e4+
\move h1g1  e5d4+
\move d1d4  e4d4+
\ply  g1g2 
0--1

\bigskip
\newgame
\centerline{\textbf{3.~Variante}}
\centerline{\textbf{Masera -- Benk"o}}
\centerline{Reggio Emilia 1971}

\medskip
\move d2d4  g8f6 
\move c2c4  c7c5 
\move d4d5  b7b5 
\ply b2b3
Wird h"aufig von schw"acheren Spielern angewandt.
\ply  b5c4!
\ply b3c4
Damit ist das Feld c4 f"ur wei"se Figuren unzug"anglich.
\ply  d7d6 
\move b1c3  g7g6 
\move c1b2  f8g7 
\ply f2f3
Bereitet e4 vor.
\ply  b8d7 
\move e2e4  a8b8!
\move d1c2  d8a5

\smallskip\showboard
\smallskip

Schwarz hat die Rochade zugunsten einer schnellen Entwicklung hinausgez"ogert -- Es droht |T*b2 nebst S*e4 oder S*d5|. 
\ply e1f2?
Panik!
\ply f6e4+!
\move f3e4  b8b2!
\move c2b2  g7c3 
\move b2c1  d7f6!
\ply g1f3
|15. Ld3, L*a1; 16. D*a1, Dd2+; 17. Le2, S*e4 oder 15. Tb1, S*e4+; 16. Ke2, D*a2+|
\ply  f6e4+
\move f2e3  c3a1 
\move c1a1  e4f6 
\move f1d3  e8g8 
\move h2h3  c8a6 
\move h1b1  e7e5 
\move d5e6e.p. f7e6 
\move b1b3  a5c7 
\move b3a3  a6c8 
\move a1b2  d6d5 
\move b2e5? f6g4+
Wei"s gab auf wegen |26. h*g4, T*f3+ nebst D*e5|.

\end{multicols}

\bigskip
Damit m"ochte ich das Thema beschlie"sen und hoffe, dass Ihr soviel Gefallen am Wolga-Gambit gefunden habt, dass Ihr die aufgef"uhrten Theorievarianten mit eigenen praktischen Erfahrungen anreichern werdet!

\bigskip
Frank Roeberg

\end{document}

