Zur Präsentation einer Rekonstruktion des "Türken" von Baron von Kempelen im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn am 25.03.2004
Zuerst trug Prof. Dr. Ernst Strouhal, Universität für angewandte Kunst, Wien, über die Geschichte dieses Automaten vor, siehe zum Beispiel KARL -- das kulturelle Schachmagazin, 4/2002, Seite 14 ff.
Die dann folgenden zwei Partien wurden begleitet von dem Assistenten des Barons von Kempelen, "Herr Anthon" (dem Schauspieler Heiko Grosche).
Die erste öffentliche Partie des Türken in Europa nach 200 Jahren: der Türke hatte weiß, die schwarzen Steine führte Michael W. Barz, der Geist in der Maschine war Joachim Schwarzmann ("achim inside", 1.76 m groß, siehe unten), beide vom Schachklub Blauer Springer Paderborn.
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1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Sf3 Sf6 (!?) 4. e5 Sh5 5. Le2! g5! 6. 0-0 Sc6 (Startstellung der Partie) 7. Sxg5 Dxg5 8. Lxh5 Lc5+ (Bild unten) 9. Kh1 Tg8! 10. Lf3 Sxe5 11. d4 Sxf3 12. Dxf3 Lxd4 13. Lxf4 Dg4 14. De4+ Kd8 15. Te1 Lc5?! (De6!) 16. Sc3 f5 17. Dd5 c6 18. Sb5!! d6 19. Sxd6!! cxd5 20. Sf7+ Kd7 21. Se5+ Kd8 22. Sf7+ Kd7 23. Se5+ Kd8 24. Sf7+ remis
Die zweite Partie, gegen das Publikum im Saal, wurde vom Publikum noch in der Eröffnung zu Recht aufgegeben:
1. e4 f5 2. exf5 Kf7 3. Dh5+ (Schachgebote zeigte der Türke durch dreifaches Nicken des Kopfes an.) g6 (Den Zugvorschlag e5 hatte er durch Kopfschütteln abgelehnt.) 4. fxg6 Aufgabe
Die Technik des Türken basiert auf einer vom Baron von Kempelen zu diesem Zweck erdachten dreidimensionalen Version des "Storchenschnabels" (Pantograph): ein Gerät, mit dem man zweidimensional auch damals schon Zeichnungen kopieren konnte. Ein zwergenwüchsiger Schachspieler, wie Edgar Alan Po ihn vermutete, ist nicht nötig.
Der "Türke" gehört nun zu den Dauerexponaten des Heinz Nixdorf MuseumsForums.
Ein Detail am Rande: wer das letzte Foto genauer betrachtet, erkennt vielleicht einen Bowdenzug in der Mechanik, wie er heutzutage für jede Fahrradbremse verwendet wird. Sicherlich wird Baron von Kempelen nicht auch 1769 den Bowdenzug erfunden haben.
Bernhard Fromme, der Initiator und Erbauer dieser Rekonstruktion antwortete mir auf Nachfrage, dass er tatsächlich zuerst zeitgemäß einen Seilzug über Rollen eingebaut hatte. Doch für die Vorführung habe er diesen gegen einen Bowdenzug ersetzt, um nicht zu riskieren, dass der gespannte Draht zu einem unglücklichen Zeitpunkt abspringe, dabei vielleicht sogar noch den Spieler in der Maschine verletze. Außerdem seien ummantelte Drähte auch damals schon zu akustischen Zwecken im Pianobau verwendet worden.
Anders als während heutiger Vorführungen mussten die damaligen heimlichen Spieler bei unbegrenzter Bedenkzeit viel länger, sich den Hals verrenkend, in dem engen Raum ausharren.
Ein Bericht über die Zusammenhänge kann im Newsticker von heise online gelesen werden. Das folgende Buch über den Türken ist im Handel erhältlich:
Weitere Informationen über Wolfgang von Kempelen auf einer Seite von Hartmut Traunmüller.
Hier noch ein Foto des Originales:

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